Mittwoch, 30. Mai 2012

Dreieinhalb Sterne für das Paradies

Wir haben ein Hotel gebucht. Online. Sorgsam haben wir alle Bewertungen gelesen. Das hinterließ uns ratlos. Mal wieder. Was denn nun? Dreckig? Sehr sauber? Freundlich? Unfreundlich. Dreieinhalb Sterne bei Tripadvisor - Durchschnitt.
Ist „weit ab vom Schuss – nur einen Stern“ eigentlich wirklich schlecht? Man versucht aus dem Konglomerat an Einträgen das Richtige zu schließen. Das Ralley-Bay-Resort ist bei booking.com ganz gut. Bei tripadvisor „geht so“. Aber es ist so preiswert, dass wir es uns leisten können. Darum buchten wir. Immerhin: Mancher Eintragende fand es „wunderschön“. Um es kurz zu sagen: Wir auch. Paradiesisch.

Und wir fragen uns natürlich: Sind wir anspruchslos oder so viele andere schlicht verblendet und verrückt? Wir frühstücken am Strand, baden mit Blick auf den Sonnenuntergang im Pool. Unsere Zimmer sind wunderbare geräumig und die dreihundert Meter zum Meer durchaus schnell zu bewältigen. Kann man all dies „furchtbar“ finden? Sandra nicht und ich nun ganz sicher nicht. Wie auch? Wenn man sein Leben lang auf Sechserzimmern unzähliger Jugendreisen im Doppelstockbett abgehangen hat.

Einmal mehr wünschen ich mir meine eigenen Maßstäbe noch lange zu erhalten. Traumhaft wäre das.

Aber hier steckt der Teufel im Detail. Was tun, wenn man schon als Kleinkind durch die teuersten Luxushotels geschleppt wurde? Und schließlich merke ich an mir selbst, wie Ansprüche steigen. Jüngst formulierte ich, „dass ein eigenes Badezimmer auf dem Zimmer“ schon schön ist. Fand ich früher völlig wumpe.

Plötzlich fürchte ich mich vor dem Tag, wo ich bei tripadvisor ein Hotel wie das Railey Bay Resort mit einem Stern bewerte. Ich will es immer wunderschön finden, wenn etwas so schön ist und auch ein Business-Hotel mit eigenem Bad loben und preisen. Immerzu. Nicht als Paradies, aber zumindest als „ganz wunderbar“
Darum schreibe ich diesen Eintrag. Zum Erinnern. Ich will nicht um die halbe Welt jetten, auf der Suche nach dem teuersten First-Class Hotel in der Brandung des grünen Meers. Ich will wissen, dass ich das Paradies finden kann. Überall. Auch bei Booking.com unter den preiswerten Hotels mit 3,5 Sternen.

Was für schöne Tage.


kitschige Sonnenuntergänge

fast alleine am Strand

frisches Meerestier vom Grill


Unser Frühstücksplatz

Der kleine Hafen

Am Mangroven-Wald


Nach kurzem Sommerregen

Der schönste Platz

Herrliches Wasser


Unser Abendessen-Platz

Das Railey Bay Resort (Wir zahlten 60 Euro pro Nacht inkl. Frühstück)


Dreieinhalb Sterne bei Tripadvisor

Schaukeln am Meer


Facebook-Fotos - graziös


und ich - auch irgendwie graziös





Dienstag, 29. Mai 2012

Drachen sollen fliegen

Bangkok ist schön. Mit Sandra noch schöner. Seit heute erlebt sie ihren letzten Kontinentaldrift. Damit war sie auf all meinen besuchten Kontinenten einen Teil dabei. Zu guter Letzt also Asien in den Maiferien! Thailand.

Wir sehen Tempel. Paläste und die berühmte Khao San-Road. Aber dieses hier steht in keinem Reiseführer. Dabei ist es zauberhaft. Die Sonne geht gerade unter und auf der großen Wiese versammeln sie die Menschen. Familien mit ihren Kindern. Aber auch Erwachsene allein.

Der Platz wird von dem roten Sonnenlicht rot getüncht und der Himmel hat Farbkleckse die über den Abendhimmel wandern. Drachen. Alle Meter wird ein weiterer Luftgeselle der Thermik freigegeben. Sie spielen und zappeln. Sie wippen und kreiseln.

Glühende Väteraugen verfolgen glühende Kinderaugen, die ihre Drachen verfolgen. Mütter die verliebt daneben stehen oder selbst einen dünnen Faden ums Handgelenk wickeln. Wir lassen uns in den warmen Schatten des Tages fallen und genießen Augenblicke.

Drachensteigen ist in Deutschland mit kühlen Herbstwinden und goldener Blätterfärbung eng verbandelt. Und wie ich das liebe. Aber diese warme Sommerluft, diese heißen Sommerdrachen in glutroter Abendsonne sind anders. Unnachahmlich. Das Herz füllt sich mit gutem Gefühl. Die Welt kann so einfach sein. Die Probleme des Lebens sind weit weg. Mindestens hundert Meter weit weg. Es ist fast so, als flögen sie zusammen mit dem Drachen davon. Noch bevor sie wieder eingeholt werden, gehen wir fort. Denn so wie es ist, soll es bleiben.

Für immer.










Sonntag, 27. Mai 2012

Same same but different

Die thailändische Einstellung zum Kopieren und Fälschen ist einfach: Es gibt kein Schuldbewusstsein. Es wird einfach alles kopiert. So gut es geht. Vieles ist gar nicht kopiert, sondern einfach echt, nur eben nicht offiziell echt. Die Vorlage liefern die Firmen, die preiswert in Thailand produzieren. Warum also nicht nach Feierabend an den gleichen Maschinen mit dem gleichem Material Gleiches herstellen? Gleiches Label drauf – fertig. Im Prinzip ein Original. Oder eben die perfekte Fälschung, die selbst Firmenkenner nicht auseinanderhalten können. So ist Thailand.
T-Shirts, Rucksäcke, Schuhe – sowieso. Ganze CD-Shops mit brennfertigen Rohlingen warten auf die Bestellung. Die CD wird vor Ort erstellt und mit dem original CD-Aufdruck in eine Original-Hülle verpackt. "Same, same but different" eben.

Staunend blättere ich gereade durch die Vorlagenmappe „Deutsche Ausweise“, die auf dem Marktstand mit einstündiger Bearbeitungszeit angeboten werden. Führerschein, Presseausweis, Studentenausweis. Ich sehe keinen Unterschied zum Original. Und eine Hongkong-Chinesin, die ich in Brasilien traf, riet unserer verdutzten Reisegruppe damals gar: „Lasst euch nen billigen Studentenausweis in Asien machen, dann kannst du weltweit überall zum halben Preis rein. So mache ich es seit Jahren“

Ich weiß ja nicht. Man bekommt ja eigentlich nicht die Ermäßigung, weil man einen Ausweis besitzt, sondern weil man Student ist. Oder kann man Autofahren, wenn man einen Führerschein kauft?

Irgendwie ist mir nicht wohl dabei, hier preiswert T-Shirts abzustauben. Ganz gleich ob wirklich „same same“ oder eher „different“. Bei CDs und DVDs fällts mir noch schwerer. Natürlich habe ich als Kind Kassetten kopiert. Meine C64 Spiele waren allesamt von Freunden überspielt.

Aber diese überbordende illegale Downloadwelt heutzutage finde ich „leider nicht geil“. So richtig kapiert man es ja erst bei eigenem Schaden. Warum kein Fritz und Fertig 5 erscheint, werde ich oft gefragt. An den mangelnden Ideen liegt es sicher nicht. Das Konzept ist im Prinzip fertig. Und wenn ich die ständigen Nachfragen nach dem Produkt zu Grunde lege, sind die Käuferzahlen riesig - sind sie aber nicht.

Am Tag des Erscheinens von Fritz und Fertig 4 war ich morgens auf einem Kinderschachturnier. Voller Vorfreude auf die fertige CD, die sicher am Nachmittag in meinem Postkasten stecken würde. Ein Kind sprach mich an: „Ich habe heute morgen schon Fritz und fertig 4 gespielt – voll cool!" - das freute mich und dachte an eine der vielen Amazonvorbestellungen, die auch diesen Teil weit nach oben in der Kindersoftwarehitliste geschickt hatten. Dann erzählte das Kind freimütig weiter: „hat mein Papi heute nacht geknackt aus dem Internet kopiert“

Kindermund. Und mir blieb nicht mehr viel als dem Kind zu sagen: „Wie schön, dann grüß mal ganz lieb deinen Papi von mir.“

Ein echter Fan also. Wie viele die diese Version spielen, aber nicht erwarben. Schade, denn den kleinen Verlagen wird ohne nachzudenken so das Genick gebrochen. Das kann man glauben oder nicht. Der Kopierfaktor ist riesig. Besonders übrigens in Schachvereinen. Schade eigentlich, denn alle wollen ja auch neue Musik, Spiele und Software haben. Neue T-Shirt-Kollektionen übrigens auch.

Gerade bei Software, Musik und DVDs gilt also: same, same – but a difference!

Das Kaufen von gefälschten Produkten macht die echten kaputt. Auch die ganz Großen Top-Label haben zu leiden. Das mag man gut finden oder nicht oder vielleicht ist es einem auch egal. „Die haben eh genug Kohle“. „Voll die Gelddruckfirma."
 Bleibt die Frage warum man denn von solch einer Firma unbedingt ein Produkt besitzen möchte.

Insgesamt bin ich in der Frage wenig dogmatisch. Ich lebe ja auch von dem Geld nicht. Hätte nur ganz gerne ein weitere Fritz und Fertig Folge gemacht. Das alles fällt mir im MBK-Einkaufszentrum ein, wo Stapelweise Fälschungen rumliegen und auf den Märkten und in den Straßenläden. Es ist Bangkok und es ist gut, dass man hier Geld verdient. Aber das Problem ist eben größer, als man beim Erwerb eines billigen T-Shirts denken mag.

Deswegen vor dem nächsten automatischen illegalen Download. Einfach mal nachdenken, ob man sich die Sache nicht auch vielleicht mal kaufen könnte. Oder wenigstens ein kleines bisschen schlechtes Gewissen haben.

Selbst in Thailand.



Berühmtes Einkaufszentrum - Voller preiswerter Fälschungen

Berühmte Straße - voller preiswerter Fälschungen



Der größte Markt der Welt - voller preiswerter Fälschungen


Der Weg ist das Ziel

Heute geht es ins Zentrum. Die Verbindung ist einfach. Hin. Am besten mit dem Taxi sagt man mir im Hotel. Bahnstationen sind weit weg vom historischen Kern. Also Taxi. Ist auch relativ preiswert. Meine Hotelwirtin erklärt es dem Fahrer auch gleich nochmal nachdrücklich: Taxameter anstellen.

Ich schaue auf Tempel, in Straßen und Paläste. Umkreise Straßenstände mit Essensangeboten, die ungeübten Westmägen schon beim Draufschauen einiges abverlangen. Ein rundum gelungener Ausflug - trotz der Hitze.

Nun will ich aber zurück. Es ist 17 Uhr und ich habe genug gesehen. Es ist natürlich immer noch heiß und eine Fahrt mit dem Taxi unter Vollklimaanalage ein Genuss. Dann ein bisschen im Hotel ruhen und in der Hotelumgebung etwas zum Abendessen suchen. Soweit die Idee. Gute Idee. Finden die Taxifahrer nicht. Als ich das erste anhielt, dachte ich an einen besonderen Grund als der Fahrer abwinkte. Auch beim zweiten und dritten machte ich mir keine Sorgen. Aber nun? Rund 20 Taxen. Angehalten, aufgesucht, aufgelauert. Niemand will mich zum Hotel bringen. Nicht zum gehobenen Festpreis. Zum Taxametertarif schon gar nicht. Offizielle Erklärung: Zur Rushhour-Zeit fährt man nur im Inner-Circle der Stadt – mein Hotel liegt davon entfernt. Meine Erklärung: Die Fahrer haben meinen Blog gelesen.
Ich bin genervt. Hilft aber auch nicht. Ich stehe auf der Straße und atme tief. Schnappatmung ob der Hitze. Jetzt würde ich sogar ne kriminelle Rikscha engagieren. Aber auch das organisierte Verbrechen scheint Pause zu haben.keine Rikscha. Kein TukTuk.

Ich schaue auf die Karte. Rund fünf Kilometer zur nächsten Bahnstation. Bei der Hitze. Wahnsinn. Ich mach mich trotzdem auf. Rumstehen ist ja auch keine Lösung. Ich suche mir einen möglichst langweiligen Weg. Denn nun ist klar: Jetzt will ich leiden. Und dann gehe ich los. Schritt für Schritt. Der Schweiß tropft. Das tut gut. Alle 500 Meter finde ich einen Seven-Eleven und lasse mich von der viel zu kalt eingestellten Aircondition dort schockgefrieren. Dann kaufe ich mir einen halben Liter Wasser und gehe frisch vereist weiter. Bis die Flasche leer ist, ich wieder tropfe oder ein neuer Seven-Eleven-Store auf mich wartet.

Es ist 19 Uhr als ich auf meiner Karte soetwas wie Nähe zu einer Bahnstation fühle. Nur noch rund einen Kilometer oder zwei Seven-Eleven. Die Hitze spüre ich schon lange nicht mehr. Dies ist meine Expedition. Meine Mission. "One day in Bangkok" würde das Lied wohl heißen. Da ist der nächste Boxenstop: Seven-Eleven die Zehnte. Ich finde es auch gar nicht mehr so kalt. Nix gefriert mehr. Was auch? Mein Körper beiinhaltet keinen Schweiß mehr.Alles draußen. Noch 500 Meter.
300 Meter vor dem Bahnhof hält ein Taxi neben mir. Öffnet die Tür und fragt wo ich hinwolle. Ich schaue ihn an. Er schließt schnell die Tür und braust davon. Oder bilde ich mir das nur ein und er liegt erschlagen am Straßenrand? Wahnvorstellungen. Dann die Bahnstation. Tatsächlich.

24 Stationen – einmal um die Stadt – gut, ich könnte umsteigen, dann ginge es schneller. Will ich aber nicht. Ich will heute nicht mehr schnell. Und vorallem nicht mehr steigen - auch nicht umsteigen. Ich will ankommen. Und komme tatsächlich am Zielbahnhof an. Es ist 20 Uhr – dunkel.Was bleibt? Viel zu weit zum Hotel zu Fuß.
Also versuche ich die Taxinummer noch einmal. Die Rushhour ist längst zuende. Der dritte Fahrer hat ein Einsehen. Fünf Kilometer hätte ich auch nicht mehr durchgehalten. Er fährt. Ich meine, in die falsche Richtung. Das Taxameter meint es auch. Es ist an, aber zählt zu schnell, zu hoch. Egal.

Irgendwann flucht er. Er weiß nicht wo mein Hotel ist. Ich auch nicht. Ich erkenne irgendetwas wieder. Einen Seven-Eleven. Er grient. Ich lache in mich hinein. "Hahaha einen Seven-Eleven!" Er bekommt es ein bisschen mit der Angst zu tun.

Mir erscheint etwas. Vermutlich eine Supervision oder wie heißt das Ding in der Wüste wenns flimmert und eine Oase auftaucht, man noch?
Er winkt ein Motorrad herbei. Redet mit dem Fahrer. Dann nickt er. Der Motoradfahrer auch. Ich werde nicht gefragt. Warum auch. Zahle trotzdem den Betrag als hätte er mich aus dem Stadttkern zum Hotel gebracht. Und stehe sonstwo an einer riesigen Straße.
Ich soll aufs Motorrad. Hinten drauf. Der Fahrer wiegt 50 Kilo. Ich nicht. Das macht Probleme. Bersonders als wir gegen den Strom auf der Schnellstraße fahren. Wenigstens gäbe es nach einem Unfalls kein Problem mir den Helm richtig abzunehmen: Ich habe nämlich keinen auf. Dann hält das Motorad. Wie ein Schleier liegt die dunkle Hitze auf mir. Ich steige nicht ab. Warum auch?

Ich warte auf das nächste Transportmittel. Redet der Fahrer da gerade mit einem Eselkarrenführerin? Nein, nun erkenne ich es. Es ist meine Hotelwirtin, die durch die Dunkelheit auf mich zuschreitet und mir runterhilft. Es ist 21.15 Uhr – vier Stunden und 15 Minuten nach dem Beginn meiner Mission bin ich am Ziel. Ich gebe dem Motorradfahrer all mein Geld. Umarme meine Wirtin und verzichte auf das Abendessen. Mir muss es wirklich schlecht gehen.



Schon beim Vroebigehen bekommen West-Mägen einen "Flotten Otto"




Während der Rushhour kein Transport


Thai-Boxen - Sport Nr 1 in Thailand






Samstag, 26. Mai 2012

Seven-Eleven

Ich sorge vor. So gerne man aus seinem Hotel nach Ankunft (oder überstandener Hitzeattacke) gleich auf Umgebungsbesichtigung startet, steckt hier die Falle im Detail. Während man die großen Reisen und auch die Stadtbesichtigungen sauber plant, sind kurze Umgebungsexkursionen eher schnell und unvorbereitet. Man geht „einfach mal gucken“ und nur um eine Ecke und um noch eine und um... Und dann ist man verschollen. Die Buchungsbestätigung auf dem Zimmerschreibtisch, die Visitenkarte des Hotels sauber in den Unterlagen. Der Sprache nicht mächtig und weder Name noch Adresse des Hotels parat.
Das ist mir ein paar mal fast passiert. Nun aber bin ich ja Profi. Lasse mir Zeit. Trinke eine Cola in der Lobby. Werfe in aller Ruhe ein paar Postkarten in den Briefkasten vor dem Hotel ein und atme durch. Dann präge ich mir genau das Umfeld ein. Hier ist es einfach: An der Ecke ist ein Seven-Eleven-Geschäft. Groß und schön und gut frequentiert. Im Notfall frage ich einfach danach. Das kennt jeder.

Stimmt. Jeder Thailänder kennt Seven Eleven – was insbesondere daran liegt, dass an jeder Ecke ein Seven-Eleven zu finden ist. Eine Art thailändischer Tim Hortons (siehe auch "Wer weiß wer Tim Hortons ist").

Und ich? Stehe nach kurzer Erkundung vor einem Seven-Eleven. Dem falschen. Dabei bin ich nur um eine Ecke gegangen und dann um eine weitere und...

Die Buchungsbestätigung auf dem Zimmerschreibtisch, die Visitenkarte des Hotels sauber in den Unterlagen. Der Sprache nicht mächtig und weder Name noch Adresse des Hotels parat.

Verschollen.

Ich frage im Seven-Eleven nach einem Seven-Eleven. Behämmerter geht’s nicht: „Entschuldigung wissen sie wo der nächste Seven-Eleven ist?“ Kopfschütteln. Zwar wissend aber verständnislos. Ich versuche zu retten was zu retten ist und tue so als ob man mich falsch verstanden hätte: „Nein, nein, nein kein Seven Eleven – da bin ich doch gerade drin – hahaha“
Ja, aber was will ich dann?
„Ähh, fünf Postkarten bitte“, presse ich sinnlos hervor. Die Karten wandern in eine Papiertüte und mit ihnen ein Gedanke in meinen Kopf: „Und wissen sie zufällig wo der nächste Briefkasten ist?“

„Ja, ganz einfach um die nächste Ecke, dann um eine weitere. Sie können ihn nicht verfehlen. Direkt gegenüber des Postkastens ist ein Seven-Eleven!“

Ich sags ja, auch kleine Umgebungserkundungen müssen gewissenhaft vorbereitet werden. Gut, dass ich mittlerweile Profi bin.


Der Tim Hortons Thailands

Hitze in Bangkok

Ich steige aus dem Flugzeug. Alles ist bunt. Betriebsam. Eine Großstadt, wie ich sie kenne. All die alten Bekannten meiner Reise stechen mir sofort wieder ins Auge. Allen voran das große gelbe M. In China kaum existent. Hier an jeder Ecke: MC Donalds. Aber auch Starbucks, Kentucky Fried Chicken. Das ist nicht schön, aber: Ein bisschen Fastfood-Heimat.
Die Häuser sind hoch. Der Duft der Straßenstände in der Nase. Händler bieten ihre gefälschte Ware feil.

Das sind meine Eindrücke, die jedoch alle von einem alles umfassenden Eindruck erdrückt werden.
Ja, Bangkok ist bunt, schön, preiswert, westlich – aber Bangkok ist vor allem eines: Heiß! Es ist so scheiße warm!
Nach 30 Sekunden klebt mein T-Shirt an unzähligen Hautstellen. Ich werde es später nur unter großen Abzieh-Schmerzen vom Körper abtrennen können. Dabei habe ich viel Hitze erlebt. In Brasilien war es weit über 30 Grad, aber ein einigermaßen frischer Wind vom Meer sorgte für Abkühlung. In der Hitze von Death Valley in Kalifornien ließ es sich wunderbare im herbstlichen Schatten der Dünenkämme aushalten und in Dubai war es zwar noch viel heißer, aber es gab eigentlich keinen Moment wo man wirklich unklimatisiert durch die Gegend lief.

In Bangkok schon. Und mit der Wärme paart sich eine Luftfeuchtigkeit, bei der man sich wundert, dass sie nicht als Regentropfen zur Erde fällt. Aber für die Tropfen sorge schließlich auch ich. Mit großem Marschgepäck schleppe ich mich zum Taxi. Ein neuangelegter Kanal bleibt auf meinem zurückgelegten Weg zurück. Wie immer werde ich am Flughafen mit einer Hotelpauschale von Taxifahrern betrogen. Da ich noch einige Male Bangkok anfliegen werden, schwöre ich Rache. Aber erst wenn ich wieder atmen kann. Das Hotel liegt auch nicht citynah. Egal. Im Taxi ist es kühl.

Ich wünsche die Fahrt dauert ewig. Tut sie nicht. Ich schlepp mich die zwanzig Meter ins Gebäude. Was ich aus dem Taxi sah, war großartig. Sehen geht also und meine Gedanken kreisen um eine Frosta-Thermoanzug. Wo soll ich den allerdings herbekommen? Gibt es soetwas überhaupt?

In meinem Zimmer werfe ich mich auf mein Bett. Die Klimanlage ist direkt über mir angebracht und pustet mit Windstärke fünf. Ich stelle sie auf die kälteste mögliche Temperatur. 16 Grad. Frontal. Hamburgwetter. Ich schlafe ein. Als ich aufwache. Habe ich eine Stunde im Windkanal gepennt. So fühle ich mich auch. Meinen Nacken kann man knicken.

Ich schaue aus dem Fenster. Und sehe Bangkok. Wie es lebt.

Willkommen in Thailand.




Mit dem Taxi vom Flughafen zum Hotel
Allüberall ein ganz besonderes (teures) Erlebnis

Donnerstag, 24. Mai 2012

Pünktlich am Flughafen


Ein kurzer Streit mit unserem Taxifahrer. Eigentlich kein Streit. Ein Disput. Drei Tage fuhr er uns, aber diese Entscheidung muss er doch bitte mir überlassen. Um 11.00 Uhr geht mein Flieger. Ich möchte um 8.30 Uhr dort sein. 8 Uhr am Hotel abfahren.

Er sträubt sich. Er will um 10 Uhr los... Ich glaube er spinnt.

„Der Flughafen ist bis 10 Uhr geschlossen. Wir brauchen sieben Minuten dorthin. Na gut, 9.53 Uhr“, gibt er sich kompromissbereit.

Ich nicht. Er ist Taxifahrer. In seinem Leben noch nie geflogen. Zwei Stunden vorher mindestens. Das erkläre ich ihm. Und gestehe ihm auch einen kleinen Zeiterfolg zu: „Ok, 8.15 Uhr“

Ihm kann es doch eigentlich egal sein. Ist es ihm dann auch.
Um 8.15 Uhr steht er pünktlich vor meinem Hotel. „Geht doch“, denke ich.

An all das muss ich seit knapp zwei Stunden denken. Seitdem ich pünktlich im 8.22 Uhr am Flughafen ankam und feststellte, dass „der Flughafen ist geschlossen“ gar keine Floskel war. Lächelnd hocke ich als einziger Mensch auf dem riesigen Areal. Der Flughafen ist geschlossen. Mit einem riesigen Fahrradschloss von innen verriegelt.

Macht gar nix. Ich check schonmal die Lage und freu mich des Lebens.

Um zehn Uhr Trubel. Taxis fahren vor. Passagiere steigen aus. „Duckmäuser!“, denke ich. Man muss sich auch mal für seine Ideale gerade machen, selbst wenn es nur eine andere revolutionäre Ankunftszeit am Flughafen sein sollte.

Dann kommt das Personal. Die Sicherheitsbeamten, die Check-In-Schalter-Leute und die Besatzung. Das ist alles sehr familiär.

Um 10.15 Uhr wird das Schloss von Innen entriegelt. Wir treten ein. Schade, dass kein Gebäck gereicht wird. Würde passen. Um 11 Uhr ist die ganze große Reisefamilie im Flieger und wir starten pünktlich.

Gut, dass ich so früh da war. Sonst wäre vermutlich das Chaos ausgebrochen.





Machs gut China!

Und dann war er da: Der letzte Tag meines China-Abenteuers. Morgen früh würde mein Flug aus Jinghong nach Bangkok gehen.
Kaum zu fassen, dass ich nun schon einen Monat durch das riesige Land getourt war. Großartiges gesehen, Wunderschönes erlebt und doch kommt es mir so vor als hätte ich lediglich wenige Teile im größten Puzzle der Welt entdeckt.
Auch dieser letzte Tag bot alles für was ich China zu lieben gelernt hatte. Mit Zhiyuan begleitete mich auch am letzten Reisetag ein lieb gewonnener chinesischer Freund. Ich sah auch heute Tempel, Urwald, mir unbekannte Völkergruppen. Noch einmal aß ich Unbekanntes, lachte über Karaoke-Bars und verrückte Taxifahrer.
Und doch blieben so viele Geschichten unerzählt. Wie wir uns im botanischen Urwald-Garten um Stunden verliefen, als wäre es das Amazonasbecken persönlich. Wie ich tagelang dachte wir würden zum Abschluss eine Flussfahrt mit Musik auf dem Mekong-River machen, bis ich feststellte, dass die Show „Mekong-River“ hieß und wir diese in einer Halle sähen. Wie hunderte von Pfauen über die Wiese spazierten und von hunderten Fotoapparaten dabei verfolgt wurden.
So vieles. Unerschöpfliche Geschichten. Nie aufhörende Erlebnisse.
Weil China nie aufhört anders zu sein. In jeder Sekunde berührt und überrascht. Weil jede Begegnung eine Geschichte ist.
China ist fremd. Ja! Aber es ist auch ganz nah. Es ist so echt. Es verstellt sich nicht. Weil die Menschen an das was sie tun und was sie leben, glauben. Weil sie ihr Leben und ihr Land lieben. So wie es ist.
In keinem anderen Land meiner Reise habe ich so viele Freunde gefunden. Wurde ich an die Grenzen meiner eigenen Lebensauffassung geführt. Habe ich meine eigene Sozialisation, mein Leben, meine Überzeugungen und Einstellungen hinterfragt und auch neu geordnet.
Das hat Kraft gekostet. Und gegeben.

Und ja: China missachtet Menschenrechte. Massiv. Auch das ist wahr. Sich mit China nicht zu befassen, es zu ignorieren, sich sinnlos aufzuregen, hilft da auch nicht weiter. Verstehen und sich Austauschen. Im entscheidenden Moment das Richtige tun. Nur so kann es doch gehen. Und vor der eigenen Haustür kehren. Da ist nämlich auch noch einiges zu tun.
Ich bin froh, die Warnungen und Hinweise und letztendlich meine eigenen Bedenken verdrängt zu haben und ich einfach drauflos gereist bin. Allein.
Das war so einfach. Besonders wenn es kompliziert wurde. Und jeder der dieses Land bereisen möchte, sollte sich trauen. Er wird es genießen und nicht bereuen.
Und ich werde wiederkommen. Die Route steht. Zhiyuan in Harbin besuchen, Timo in der Nähe von Peking, zu Sarah und Willi nach Xian natürlich...

Machs gut China. Und beim nächsten Besuch ist meine Blog-Seite dann auch nicht mehr gesperrt.Versprochen?

China wird mir im Gedächtnis bleiben, im Herzen sowieso.

Hunderte Pfauen wandern über die Tempelwiese

Nächstes Mal: Zhiyuan in Harbin besuchen


Eine Dai-Frau


Verlaufen im Urwald

Tarzan



Ich liebe frische Kokosmilch

Die Show: Am Mekong-River




Lichterlauf mit allen zusammen


ich mittendrin...





Tschüss Jinghong
Machs gut China!