Samstag, 19. Mai 2012

Elefanten und Photoshop

Eine der Hauptattraktionen Xishuabannas ist das Tal der wilden Elefanten. Mit der Seilbahn schwebt man direkt in den Urwald. Angesichts der großen Bevölkerungsanzahl in China bin ich mir allerdings nicht sicher ob der Sicherheitsstandard dieser hoch über den Wipfeln schwebenden Angelenheit wirklich dauerhaft überprüft wird. Oder knapp gesagt: Hier gibt’s so viele Menschen – da juckts niemanden wenn mal ne Gondel abstürzt.Ich grüble und erzähle Zhiyuan meine Theorie. Er sagt, das sei Quatsch. Als wir an der Reihe sind, schlägt er jedoch vor zwei getrennte Gondeln zu benutzen.
Wir überleben. Und finden uns mitten im wilden Urwald wieder. Asphaltierte Gassen hauen sich hier durch den Dschungel. Hunderte von Reisegruppen bevölkern diese „Wanderautobahn“ auf der Suche nach den Dickhäutern. Die müssten allerdings reichlich behämmert sein, wenn sie hier aufkreuzen würden. Oder zumindest komplett schwerhörig - vielleicht auch ein bisschen blind um den Rummel zu überhören oder zu übersehen. Und so erfahren wir, dass die Tiere nur sehr selten zur Tränke kommen. Wer würde es ihnen verübeln bei einigen Tausend Hektar dichten Urwald-Hinterland in dem sie unbeobachtet ihres Lebens frönen können.

Die Reisegruppen störts nicht. Zum einen unterhält eine Affenfamilie alle Schaulustigen prächtig zum anderen kann man an einem der vielen Photoshop-Stände flugs sein Konterfei in eine Elfeantenherde hineinkopieren lassen. Das sieht richtig echt aus.

Ich überlege auch kurz. Alleine wegen des rosa Bilderrandes und der grau-gülden-glänzenden nachbearbeiteten Elefanten. Es ist so schrill-schräg, dass es schon wieder cool ist. Dann mache ich es doch nicht. Die Schlange ist zu lang.

Aber die Idee ist gut. Insgesamt würde durch vielerlei dieser Stände überall auf der Welt die Reiseindustrie entlastet. Warum überhaupt mt der Seilbahn einschweben? Man hätte doch gleich am Eingang dieses Foto schießen – pardon erstellen – können.

Mir kommen kontinentalübergreifende Ideen. Chinesische Mauer-Fotos gleich in Machu Picchu. Oder der neue Photoshop Werbeslogan: Hast du ein Weltwunder gesehen – warst du bei allen! Klick- copy – paste. Fertig!

Ein bisschen krank. Oder vellleicht auch nicht. Mag jeder selbst entscheiden. Ob ein Foto einer leeren Schlammgrube oder ein gefälschtes Foto einer weidenden Elefantenherde an gleicher Stelle imposanter ist.

Ich nahm die leere Schlammgrube und habe lediglich einen Affen von einem anderen Foto ins kleine Baumhäuschen rüberkopiert.

Denn ganz ohne Highlight sollte die Tour dann doch auch nicht geblieben sein.


Einschweben mit der Seilbahn

Im Urwald

Affen als Elefantenersatz

Leere Schlammgrube. Reinkopierter Affe.
Bisschen Highlight muss schon sein...

Viele Touris. Wenig Elefanten

Andrang beim Photoshopstand

Legt sich langsam

Kein Elefant, aber schön.

Schlange statt Elefant
(siehe auch "der kleine Prinz")


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