Mittwoch, 21. März 2012

Flu statt Fla - Fussi in Rio!

Natürlich war Karneval. Aber es gibt nun noch wahrlich Wichtigeres. Also machte ich mich auf das vierte Fußballspiel auf dem vierten Kontinent innerhalb dieses Jahres anzuschauen (nach Lusaka, Los Angeles, Hamburg nun also Rio). Leider befindet sich das legendäre Maracana-Stadion im Umbau für die WM 2014 und so zog ich ins Stadion des Erstligisten Vasco da Gama: Um mir ein Spiel zwischen Fluminense Rio und Bangu anzuschauen. In Rio ist man entweder Fla (Flamengo) oder Flu. Mit meinem Besuch bei Flu hatte ich mir auch die letzte Chance verbaut mit einem Taxifahrer über Fußball zu reden. Wie ich vorher erfuhr waren die meisten Taxifahrer in Rio nämlich „Fla“.
Neben meinem Pro-Kontinent-Ein-Spiel-Fimmel gab es natürlich weitaus bessere Gründe das Spiel zu besuchen. Zum einen konnte ich den HSV-Fehleinkauf Thiago Neves anschauen, der einst für 6,5 Millionen als Van de Vaart-Ersatz gekauft wurde und insgesamt sechs Spiele machte, ehe er nach Saudi Arabien weiter verkauft wurde (wenn es gut laufen würde, könnte ich ihn sogar noch etwas von der Tribüne für seine katastrophale Leistung in Hamburg beschimpfen), zum zweiten konnte ich meine Funktion als Spielerscout wieder aufnehmen (siehe http://bisbaldbarmbek.blogspot.com/2011/09/auswartsspiel-als-spielervermittler-in.html) da ich irgendwie im Gefühl hatte, dass dieses dem HSV gerade helfen könnte und zum dritten würde mein Besuch die Gegentribüne füllen, denn ich war – wie sich später herausstellte – nahezu der einzige Besucher.
Es ging sehr familiär zu, im Stadion von Vasco da Gama. Was vielleicht daran lag, dass ich mal wieder hoffnungslos zu früh im Stadion war (siehe auch http://bisbaldbarmbek.blogspot.com/2011/12/von-beckham-und-anke.html) . Ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen Punkt auf Knopf im Stadion zu erscheinen – ich will auf gar keinen Fall das Warmmachen verpassen. So konnte ich mich mit Pizza und Getränken eindecken und gemütlich miterleben wie sich das Stadion füllte. Also, ich meine: sich etwas füllte.

Ich tippe, dass rund 2000 Fans anwesend waren. Hätte in Maracana auch lustig ausgesehen. Dann wurden von meiner Tribüne alle Kinder zusammengerufen, damit sie spontan mit den Stars einlaufen konnten. Das fand ich sehr nett und herzlich. Und ich hatte das Gefühl, ich hätte ebenfalls mit einlaufen können, wenn ich mich denn nur gemeldet hätte.

Nun war ich mir nicht mehr ganz sicher, ob ich vielleicht ein „Freundschaftsspiel“ erwischt hatte. Auch nicht schlimm. Leider keine Bilder im Fernseher von mir auf der leeren Tribüne.
Rechts neben mir stand ein einzelner Mensch mit Mikro als einziger im VIP-Bereich. Immerhin ins Radio schien die Partie übertragen zu werden, dachte ich – bis ich mitbekam, dass das der Stadionsprecher war.

Diesen Zusammenhang von: Mann-der-in-ein-Mikro-spricht und Lautsprecher-aus-denen-Töne-kommen, musste ich mir allerdings erst einmal erarbeiten. Es gab also viel zu sehen.

Während ich mich noch völlig zu Unrecht über die Spielklasse in Sambia (mittlerweile amtierender Afrika-Meister) und den USA (unser Capitano wechselt im Sommer dorthin!) ausgelassen habe, schienen in Rio die Vorzeichen andere. Enormer Tempofußball von Fluminense, technisch versiert und zielstrebig. Der einzige, der neben dem kompletten Gegnerteam von Bangu ebenso leistungsmäßig abfiel, war Thiago Neves. Das beruhigte und machte mich irgendwie glücklich. Er wurde auch in der 56 Minute ausgewechselt. Immerhin war dieses sein sechstes Spiel für Fluminense in dieser Saison – ich will ja nicht unken.

Dann entdeckte ich auch noch einen ganz wunderbaren Spieler: „Fred“ Er lief, er trickste und natürlich übernahm er Verantwortung und schoss den Elfmeter zum 1:0.

Mich sollte man mal zum leibhaftigen Spielerscout befördern. Ich würde schon die richtigen Talente nach Deutschland holen.

Das Spiel ging 3:0 aus und Bangu hatte keine Chance. Der mitgereiste Fan-Club erinnerte mich an die 17 Fans, die sich einmal aus Wattenscheid ins St.Pauli-Stadion verirrt hatten. Nur, dass der Wattenscheid-Block gegen den Bangu-Support wirklich mächtig gewirkt hatte.

Nach 25 Minuten gibt es, angesichts der hohen Temperaturen in Brasilien, eine Trinkpause. Das erinnert dann mehr an Hallenhandball und eine Trainer-Auszeit.

Ich bin beseelt. Was für ein Fest. Wieder einmal hat sich der Besuch eines Spieles gelohnt. Und wie. Ich pfeife Neves aus, ich schmachte Fred an und ich genieße den Blick fast wie ein Ehrengast auf riesiger Tribüne. Was für ein schöner Abend.

Nachtrag 1:

Schon am Abend flimmerte das Spiel über die Fernseher der Stadt. Natürlich wurde sogar live übertragen. Man erkennt mich vielleicht sogar einen Zehntel-Moment auf der Tribüne (In der Zeitlupe nach dem Elfmetertor)

Nachtrag 2: Thiago Neves spielte eine Woche später wieder (Wurde aber wieder ausgewechselt)
Nachtrag 3: Fred machte eine Woche später zwei Tore. Bei meinen Internetrecherchen musste ich allerdings meine Scoutfähigkeiten für junge Talente hinterfragen: Er stand im WM-Aufgebot der Brasilianer 2006. Holte dreimal den französischen Meistertitel mit Olympic Lyon und will mit nunmehr knapp 30 Jahren die letzten Jahre in der Heimat verbringen.

Nachtrag 4: Bei genauerer Betrachtung des Fotos vom Bangu-Fan-Support muss ich zurückrudern. Es waren mehr als damals bei Wattenscheid. Ich zähle: 19!


Das Stadion eine Stunde nach meinem Eintreffen

Meine Tribüne. Ich fülle die Gegengerade

VIP-Bereich

Altehrwürdiges Stadion von Vasco da Gama

Erinnert an die alte Tafel am Millerntor

Das Stadion füllt sich

Zum Selbstnachzählen. Der Gästefanblock - ich zähle 19

Warmmachen bei der Hitze überflüssig

Stadionsprecher als Traumjob

Trinkpause nach 25 und 70 Minuten

Fred trifft


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