Mittwoch, 14. März 2012

Kopflos im Urwald

Habe ich mir so den Regenwald vorgestellt? Unser Minibus rumpelt über die Pisten des Manu-Nationalparks und ich schaue unentwegt aus dem Fenster. Was ich sehe steckt so voller Leben, solche Artenvielfalt, so dicht, so gewaltig, so … grün!
Alles ist hier grün. Helles blasses Grün, sattes tiefes Grün, Jägergrün, Mintgrün, Werder Bremen Grün. Ich versuche die Grüntöne zu zählen. Bei 100 höre ich auf.Ich kann sie gar nicht mehr alle unterscheiden oder vielleicht erinnere ich mich auch nur nicht mehr an die ersten, als ich anfing zu zählen. Plötzlich bremst der Wagen, wir springen raus und unser Fahrer zeigt in die Wipfel. Äpfchen! Dann sehen wir Schmetterlinge, die wie Schlangen blicken, riesige Käfer und zum absoluten Höhepunkt den Wappenvogel Perus: Den „Cock of the rock“. Verstohlen blinzele ich von der Aussichtsplattform durch das abermals dichte Grün und sehe: rot! Der Cock ist rot! Das alleine wundert mich angesichts der grünen Übermacht nur wenig, vielmehr schaue ich auf meine Beobachtungsnachbarn, ob sie auch stutzen und dann schnell noch einmal durch die Ferngläser. Ein bisschen bin ich verunsichert: Meiner Meinung nach hat der Vogel gar keinen Kopf! Das Paruaner einen Vogel ohne Kopf zum Wappentier machen, scheint mir wenig plausibel und so blicke ich noch einmal genauer auf die andere „Cocks“ die etwas abseits flattern. Ich zweifle ein bisschen an mir, traue mich allerdings nicht mich nach links oder rechts zu vergewissern: „Äh, entschuldigen Sie. Sehen sie dort auch einen Vogel ohne Kopf?“

Dann fliegt einer näher. Ich atme erleichtert auf. Er hat tatsächlich keinen Kopf. Stattdessen stecken seine Augen mitten in seinem Hals. Stelle ich mir beim Schlucken irgendwie unpraktisch vor. Freue mich trotzdem, ich kann meinen Sinnen doch trauen. Hoffe dem Cock gefällt es auch!








Seine Augen stecken meiner Meinung nach mitten in seinem Hals

Cock of the rock

Käfer als Blatt getarnt

Karneval der Schmetterlinge

Schmetterling als Schlange getarnt








Käptn Blaubjörn

Freitag, 2. März 2012

Wo Menschen leben...

Wieder einer dieser Orte. Egal wie lange ich reise. Es erstaunt mich immer wieder, wo Menschen sich niederlassen. Wo sie ihr Haus bauen, wo sie ihr Feld bestellen, wo sie glücklich oder traurig sind, wo sie leben. Zum Beispiel in Paucartambo. Mitten in der Ödnis zwischen der blühenden Stadt Cusco und dem tropischen Regenwald. Ein Ort wie auf der Landkarte aus Versehen fallen gelassen. Nicht nur ein paar Häuschen oder eine kleine Ansammlung vielleicht. Nein, eine richtige Ortschaft gar eine Stadt. Und einmal im Jahr kommen Hunderttausende vorbei. Zum Carmen-Festival. Drei Tage im Jahr. Das wars. Reicht das zum Leben? Offensichtlich.
Nach vier Stunden Fahrt über die hohen Bergketten, Staub und Langeweile schauen wir staunend aus dem Fenster unseres Busses. Was verdammt noch mal machen all diese Menschen hier? Und jedem einzelnen ist in diesem Moment klar: Wir müssen hier etwas kaufen. Wer sonst?

Gut, es gibt einen Markt. Und es ist so eine Sache mit der Vorstellung wie Lebensmittel zu lagern sind. Wir schauen die Waren an. Dann uns. Wir kommen aus Tschechien, England, Australien, Kanada und Deutschland. Und jeder hat sicherlich andere Maßstäbe. Beim Blick auf den Schlachterladen bei 30 Grad im Schatten sind wir kontinental-übergreifend einig: Vielleicht doch nichts Essbares. Also kaufen wir Wasser aus Flaschen und schauen weiter. Dann findet Marc einen Popcornstand. Da kann doch eigentlich nichts...
Er kauft zwei Tüten für 30 Cent. Dann ich. Dann alle anderen. Jeder mindestens zwei Tüten. Das Mädchen hinterm Popcorn-Wägelchen ist glücklich. Das Geschäft ihres Lebens. Bestimmt fünf Euro hat sie am Ende. Und wir?

Bauchschmerzen. Aber nur ein bisschen.


Man beachte auf diesem Bild: Hund unter der Schlachtplatte und
Hühnchen an der Stange

Ein ordentliches Stück!



Ein Wasser, bitte!


Zentrum von Paucartambo

Geschäft ihres Lebens

Fahradkuriere

Markttreiben


Paucartambo

Fußgängerzone von Paucartambo

Getrocknete Kartoffeln. Ein umständlicher Prozess
des Trocknens hilft die Kartoffeln über lange Zeiträume
haltbar zu machen.

Das Ende des Inkatrails

Und so endet dieses Abenteuer mit Bildern unvergessener Tage im Kopf...


Die letzten Meter des Inka-Trails

Wir waren in der Früh natürlich wieder die letzten am Start - wie gut!

Der letzte Abschnitt





















Und das alles für diesen Moment 2

Und dann tat sich der Himmel auf. Und es war schwer in diesem Moment nicht an einen Gott zu glauben. An welchen auch immer. Er schob die Wolken beiseite. Bewegend. Zu fünft standen wir auf dem Gipfel. Alle anderen schon auf dem Weg ins Tal. Die beste Wandergruppe der Welt. Wir umarmten uns. Irgendwas mussten wir ja tun. Sprachlos. Dieser Anblick war episch.
Machu Picchu.














Donnerstag, 1. März 2012

Und das alles für diesen Moment...

Wir haben tausende Stufen erklommen.
Sind auf 4200 Meter gestiegen
Haben uns gewunden und geschunden
Den Schweinehund  überwältigt.
In Zelten auf harten Böden genächtigt
Zur letzten Etappe um 3.30 Uhr in der Nacht aufgebrochen.
Nocheinmal drei Stunden erwandert.
Nächtelang davon geträumt.
Die letzten Meter bezwungen.

Und das alles für diesen Moment!


Machu Picchu am letzten Wandertag um 6 Uhr morgens