Montag, 20. Februar 2012

Karneval in Rio

Es ist nicht chronologisch (der Blog verweilt noch in Cuzco und wird dorthin zurückkehren), aber angesichts des überwältigenden Ausmaßes der letzten Nacht muss es einfach raus. Und zwar "jetzt!" Karneval in Rio - Sambaparada im Sambadrome.  Totale Farb- und Geräusch-Ekstase die ganze Nacht. Von 21 Uhr bis 7 Uhr morgens. 35000 Mitwirkende. Unfassbar unbeschreiblich, weltverändernd. Das erlebt man nur einmal im Leben - wenn überhaupt. Danke!















































Sonntag, 19. Februar 2012

Inca-Kola die andere Cola

Als bekennender Coca-Coliker fällt es mir nicht leicht darüber zu berichten. Es gibt nämlich nur wenig Länder der Welt in denen Coca Cola nicht die absolute Vormachtsstellung der Cola-Getränke hält.
In Peru kommt Coca Cola auf lächerlicher 20%, die vermutlich auf den ständig wachsenden Tourismus zu schließen sind, denn ein echter Peruaner trinkt, sofern er sich überhaupt Cola leisten kann: Inca Kola.
Welch ein heroischer Name und wie ein Protest vertauschen sich auch gleich die Anfangsbuchstaben, denn wer hätte nicht nach erstem Hören: Inka-Cola geschrieben?
Aber Inca-Kola ist in Peru Kult (oder cult?)! Und so hat das Gesöff mit dem geschichtsträchtigen Namen doch glatt einen Marktanteil von 70%.

Grund genug für mich den Geschmackstest zu absolvieren und vielleicht die Cola-Skala in meinem Kopf (Coca, vor Fritz, vor Afri, vor Pepsi-Cola) neu zu ordnen. Und wo sollte man so einen Cola-Test besser durchführen können als in einer kleinen Bar auf dem Marktplatz der alten Inkastadt Cuzco.

Der Blick in die Speisekarte verrät Positives: Inca-Kola ist hier (und auch anderswo) einfach preiswerter. Rund Zweidrittel des hier sowieso schon sehr niedrigen Coca-Cola-Preises muss man auf den Tisch „blättern“. Viel zu blättern ist es nicht, denn üblicher Weise kostet das Glas Inca-Kola gut einen halben Dollar.

Aber Preiswertigkeit verspricht nun nicht immer Qualität – wie man auch an der alles andere als geschmacklich herausragenden River-Cola von ALDI erkennen kann. Dabei bin ich ALDI-Möger und viele Produkte sind sowohl preiswert konkurrenzlos als auch geschmacklich konkurrenzfähig. ALDI hat nämlich, so pflegt meine Mutter stets zu sagen. Ganz schön gute Sachen!“

River Cola gehört nicht dazu und ich kenne mit meinem lieben Schachfreund Maxi auch nur einen Menschen, der River-Cola liebt. Aber Maxi wartet auch jeden Donnerstag sehnsüchtig auf das eingeschweißte Werbeheftchen der Supermärkte mit dem seit Jahren mein Briefkasten verstopft wird und von dem ich mich stets fragte: Wer liest das überhaupt? Bis ich erfuhr, dass mein Schwager und mein Vater ebenso darauf warten. Maxi ist also nicht alleine. Mit der River-Cola allerdings schon. Obwohl? Ich weiß gar nicht welche Cola mein Vater bevorzugt?

Dann steht sie vor mir. Meine erste Inca-Kola. Die Kellnerin platziert sie mit einem süffisanten Lächeln und bleibt einen Moment länger als nötig am Tisch um meinen ersten Schluck zu beobachten.
Mein erster Blick auf die gelblich leuchtende Flüssigkeit in dem Glas vor mir, lässt mich an die Praxis meines Urologen denken, wo im Labor auf einem Bord die Tagesabgaben der Urinproben in kleinen Plastikbechern aufgereiht sind.

Das ist also Inca-Kola. Ein bisschen fühle ich mich auch im Dschungelcamp. Deine heutige Prüfung: Iss Meerschweinchen, trink Inca-Kola.

Ich nippe. Es ist süß. Nicht die Süße, den herkömmlicher Coca Cola -Geschmack im Mund verbreitet. Ich meine: echt süß! Mein Mund klebt. Es schmeckt so gar nicht wie all das was wir unter dem Begriff Cola zusammenfassen. Eher wie die rote Fassbrause, die ich kurz nach der Wende in Dessau getrunken habe. Kaum zu glauben, dass da Coca drin sein soll. Aber in einem Land in dem zum Frühstück getrocknete Coca-Blätter auf dem Tee-Tischchen stehen, in dem jeder mindestens in einer Wangentasche einen Coca-Strauch zermalmt und in dem jeder rund einen Hektar Coca-Sträucher in seinem Garten zum „persönlichen Gebrauch“ sein Eigen nennen darf, wird man sich nicht irren.

Es ist Coca. Aber eben keine Cola. Nur Kola. Aber es ist trinkbar. Ganz gut sogar. Ich leere das Glas. Die Kellnerin steht wieder vor mir: „Und?“

Was soll ich nun antworten? Meine Cola-Lebensgeschichte? Ich kenne natürlich alle Fakten, die Kalorien und die Koffein-Wirkungen. Ich habe Bilder von zersetzten Fleisch aus Cola-Bechern gesehen und ich selbst war es, der Cola aus unserer Schulkantine verband.

Aber als strikter Non-Alkoholiker, der niemals in seinem Leben einen Tropfen anrührte, ist und war dies stets „mein“ Getränk. Wenn das braune Nass, durch den Mund sprudelt und kitzelnd den Hals hinabfließt ehe es irgendwo tief in einem explodiert, dann ist das ein echtes Tagesglück.

Fünf Jahre habe ich bei einer Wette auf Cola verzichtet. Das war nicht schön. Und abgenommen habe ich auch nicht.

Der erste Schluck danach war eine Urgewalt. Und bis heute ist Coca-Cola-Trinken für mich Zeichen eines tiefen Zufriedenseins. Auch wenn ich versuche vernünftiger Weise weniger und weniger davon zu trinken. Was mir weniger und weniger gelingt.

Und all dieses geht mir durch den Kopf, wo nun gerade die Kellnerin um meine Meinung bittet. Wie sollte ein Glas Inca-Kola nun meine Softdrink-Weltanschauung verändern? Chancenlos!

Dann fällt mein Blick auf das Etikett der Flasche: Coca-Cola-Companie. Tatsächlich ergoogelte ich später, dass Inca-Kola zu 50% aufgekauft wurde und die Namensrechte für alle Länder außer Peru an Coca-Cola gingen.

Das finde ich nun auch schade. Ich antworte der Kellnerin mit einem leichten bedenklichen Kopfnicken. Sie lächelt verständnisvoll. Und ich bestelle mir eine eiskalte Coke.

Inca-Kola



Historischer Inka-Marktplatz von Cuzco

Frühstückstee in Deutschland verboten: Coca-Tee

Aus der Hamburger Fußgängerzone in jede peruanische Bar
El Condor Pasa


zum Hausgebrauch - natürlich...
Coca-Anbau im Garten

Coca-Plantage
You can´t beat the feeling
1 Liter Coca-Cola Glasflasche

Freitag, 10. Februar 2012

Bomben? Deutsche Wurst? Waffen?

Galapagos liegt hinter mir. Ich werde das Land wechseln. Mal wieder. Nun von Ecuador nach Peru. Das ist mittlerweile so, wie in Hamburg den Stadtteil. Obwohl? Eigentlich doch nicht. Wenn ich von Barmbek nach Winterhude fahre, hält mich niemand mit großem Revolver am Hosenbund an und fragt mich: „Haben Sie eine Deutsche Wurst dabei?“ So geschehen bei meinem Grenzübertritt von Kanada in die USA. Rund 30 Minuten dauerte das Procedere, das sich nahtlos in meine formidablen Grenzübertritte einreihte (siehe auch: Tschüss Namibia  und Grenzformalitäten die Zweite)

Grenzer: Guten Tag
Ich (fröhlich): Hallo
Grenzer: Warum wollen Sie in die USA einreisen?
Ich: Urlaub
Grenzer: Was machen Sie beruflich?
Ich: Lehrer
Grenzer: Sind denn Ferien?
Ich (plötzlich wachsam): Äh ja (Notlüge, aber irgendwie dachte ich, dass es das ganze einfacher machen würde – falsch!)
Grenzer (blättert triumphierend im Reisepass): Ganz schön lange Ferien… (zeigt auf die vielen Stempel)
Ich (unwohl): ja äh, ich habe ein Jahr äh Ferien, Sabbatjahr äh so was wie Urlaub.
Grenzer (sieht in mir eine große Gefahr auf sein Land zukommen): Und woher haben Sie das Geld für einen so langen Urlaub?
Ich (denke: Das geht dich einen Scheißdreck an und sage allerdings): Ja, ich habe hart gespart und man bekommt in Deutschland während seines Sabbatjahres bezahlt.
Grenzer (mit der Stimme eines Filmfans von Inglourious Basterds): Deutschland?
Ich (schäme mich jetzt gerade ein bisschen): Ja.
Grenzer: Bomben dabei?
Ich (verstört): Bitte?
Grenzer: Waffen? Bomben? Sprengstoff?
Ich (denke: hätte ich was dabei, würde ich es jetzt genau in diesem Moment einsetzen, aber sage): Nein!
Grenzer: Deutsche Wurst?
Ich (denke: Ne klar, Bomben, Sprengstoff und Züricher Geschnetzeltes und sage): Nein!
Grenzer: Keine Deutsche Wurst
Ich (denke: Fick Dich ins Knie und sage): Nein, keine Deutsche Wurst (und lächelnd) aber schade, ich mag Deutsche Wurst. Gab in Kanada aber keine.
Grenzer (lächelt nicht zurück): Alle Deutschen haben Wurst dabei.
Ich (einen Tick lauter): Ich habe aber keine deutsche Wurst dabei, weil ich wie sie eben gesehen haben, seit 3,5 Monaten nicht mehr in Deutschland war.
Grenzer (glaubt mir nicht): Darf ich den Rucksack sehen.
Menschen hinter mir werden unruhig
Ich: Natürlich
Grenzer (bevor er den Rucksack anpackt) öffnet er wortlos das Zwischentor und lässt mich durch…
Ich: (sprachlos)
Grenzer (sprachunwillig)

Ich bin in Amerika (wo ich mich jetzt gerade wie ein illegaler Einreisender fühle und auch auch eigentlich gar nicht mehr sein möchte)

Deutsche Wurst habe ich immer noch nicht dabei. Würd mich jetzt aber trösten.

In Kanada brauchte ich 2 Stunden um die Grenze passieren zu können. In Ecuador ebenfalls. Von Botswana und Sambia habe ich hinreichend berichtet. Südafrika war die Hölle. Mitten in der Nacht dreimal eineinhalb Stunden an unterschiedlichen Schaltern. In Dubai hat man mir ein falsches Visumsdatum eingestempelt, so dass ich nochmal zum Flughafen musste… Grenzübertritte sind gekennzeichnet durch Papierarbeit, so dass ich meine Reisepass-Nummer mittlerweile auswendig kenne (wer kennt die schon?) und das maschinelle Ausfüllen des letzten Abschnitts jedes Einreispapiers: Nein, nein, nein, nein… (nehmen sie Drogen? haben sie Vorstrafen? sind sie zum Dealen hier? planen sie einen Anschlag? Sind sie geisteskrank?)
Anfangs habe ich noch überlegt, nun kreuze ich nur noch an. Wäre ich für die Einreise in ein Land zuständig, würde ich Fallen einbauen:

Wollen Sie einen Bombenanschlag ausüben? Nein!
Nehmen Sie Drogen? Nein!
Wollen sie 5000 Euro vom Grenzer geschenkt haben?  Nein!

Was würden sich die Leute hinterher ärgern, wenn die Grenzer sie lachend aufklären würden, dass mit dem letzten "Nein" eben keine 5000 Euro den Besitzer wechseln...

Aber Grenzübertritte sind nicht lustig. Sie sind eine ernste Sache. Es geht um die Sicherheit des Landes, wobei sich die Frage stellt, warum so viele Länder trotzdem unsicher sind.

Jedenfalls wird je nach Land Gesicht, Finger oder sonstwas gescannt und dann darf man (so war es bei mir jedenfalls) einreisen und die Unterlagen werden weggeworfen (in Afrika jedenfalls) oder dem FBI übergeben (in den USA vermutlich), der damit allerdings auch nichts anfangen kann, außer sie an Facebook zu verkaufen um die neue Chronik zu vervollständigen.

Nun also das dritte Welt Land-Peru. Ich bin jetzt schon genervt und bringe mich schon einmal in den H9-Modus (Meiner Hauptschulklasse "H9" von einst sei Dank, habe ich einen Modus gefunden, der einen Satz automatisiert hat „Durchatmen, es ist bald vorbei, du schaffst es“) Ich verlasse das Flugzeug und wetze wie verrückt an den anderen vorbei.

Wenn ich etwas gelernt habe, ist es, dass jeder Meter auf dem Weg zur Immigration zählt.

Ich stürze in die Immigrationhalle. Ein freundlicher Offizier begrüßt mich und zwölf besetzte Schalter warten in einer modernen Abfertigungshalle auf mich. Ich bin der einzige Passagier, der es so schnell hierher geschafft hatte. Ich suche mir einen Schalter aus. Eine freundliche Dame lächelt und lässt mich zu Atem kommen. Sie nimmt meinen Pass. Sie schiebt mir ein großes Bonbonglas zu. Bonbon? Ich greife zu und während es auf meiner Zunge zergeht, bin ich sicher: Eine Falle! Drogen? Drogentest? KO-Tropfen? Folter? In meinen Augen erscheinen Blitze. Die Beamtin schaut mich skeptisch an und ich bin sicher sie notiert jetzt in diesem Moment in ihren Computer: Geiseskrank? Ja!

Dann schiebt sie mir den Pass rüber. Wünscht mir einen schönen Aufenthalt in Peru.

Ich bin drin! Ich bin fassungslos. Ich liebe Peru.

Einreise nach Kanada

Willkommen in Peru

Montag, 6. Februar 2012

Samstag, 28. Januar 2012

Der Strände wegen nach Galapagos!

Niemand kommt wegen der Strände nach Galapagos. Könnte man aber. Glasklares Wasser umspült weiße Sandstrände, die nicht aus normalen zu Sand gewordenen abgewetzten Steinen entstanden, sondern komplett organischen Ursprungs sind. Oder um es mit unserem Guide zu sagen: „Jeder Strand ist die größte Toilette der Welt – alles Tier-Kacka“ Also federweich zersetzte Knochen, Schalen und alles vom Wasser durchspült, weiter gepudert. Die ersten Schritte noch zaghaft – Wer läuft schon gerne über Tierausscheidungen? Dann allerdings erinnert nichts mehr daran. Nur noch federweicher Sand. Weite Blicke. Farbgewalten und immer wieder Seehunde, mit denen man sich um die besten Plätze auseinandersetzen darf. Wären nicht diese wundervollen Tierbeobachtungen möglich, würden sich Blaufußtölpel und Albatros verstecken, Schildkröten abtauchen. Würden die Vulkane begradigt, die Vegetation farblos übertüncht und die Höhlen, Grotten und historischen Postkästen ab- und umgebaut: Galapagos bliebe ein Traumziel: Alleine wegen seiner Strände.



















Halbzeit und keine Einträge.

Eigentlich hatte ich mir das anders vorgestellt... Halbzeit! Urlaub vom Urlaub. Ohne Arbeit Hamburg genießen und zwischendurch Blog schreiben. Es gibt doch noch so viel der ersten Halbzeit nachzutragen: Die Einreise nach Peru, Inkastädten und tropischer Regenwald. Aber Hamburg hatte und hat doch auch so viel zu bieten: Ein Bett zum Ausschlafen, Weihnachtsfestlichkeiten und Gänsebraten, tolle Freunde und Besuche und spontane Wochenendreisen (Nordsee, Ostsee, Harz und Stockholm - endlich mal wirklich für 9,95 Euro mit Ryanair). Da blieb und bleibt keine Blog-Zeit. Doch nun geht es bald wieder los. Der Karneval in Rio ruft und mit ihm wieder regelmäßige Blogeinträge Und vielleicht schaffe ich bis zum Abflug auch die erste Hälfte "komplett" zu machen. Abflug 15.Februar.

Wunderbares Stockholm - Blick von Skansen auf Gamla Stan

Wunderbares schwedisches Cafe in Stockholm
(Geheimtipp auf 10 Quadratmetern und 10 Sitzplätzen)