Montag, 21. November 2011

Yosemite - Landschaftsrausch im Nationalpark

Es sind kaum vier Stunden vergangen, dass wir die Straßen von San Francisco hinter uns gelassen haben, da erfasst uns schon wieder gnadenlose Natur. Der Yosemite-Nationalpark führt uns von einem Landschaftsrausch in den nächsten. Es sind wunderbare Stunden an diesem ersten Tag im schon 1864 erschaffenen Nationalpark, der zum UNESCO Weltnaturerbe ernannt wurde. Zu Recht! Berge, Wasserfälle, Wiesen. Aussteigen, spazieren, genießen. Was soll ich da schon schreiben?

Meine Fotos:






Wie vor Jahr und Tag... (zwei alte Bäume)
















Cable Car

Die Bremsen quietschen, zwei Männer springen aus unserem Fahrzeug und drücken sich mit ihren Körpern gegen den Wagon und betreiben damit die riesige Drehscheibe. Die Bahn wird um 180 Grad gedreht und die Fahrt kann in andere Richtung weitergehen. Wir hängen uns also wieder an einem der Haltegriffe in den Wind und genießen San Francisco in seiner ursprünglichsten Art.

Eine technische Katastrophe, hoffnungslos veraltet, kann nur auf geraden Flächen so richtig anhalten und trotzallem und gerade deswegen wunderschön und gnadenlos romantisch:
Wir fahren Cable-Car-Bahn in San Francisco.

Mit einem Kabel, das durch Spuren durch San Francisco läuft, wird sie angetrieben. Was heißt angetrieben? Der Fahrer klinkt sich in das Kabel bei Bergstrecken und Geraden (die es in San Francisco eigentlich nicht gibt) und klinkt sich aus, wenns bergab geht, dann rollt sie einfach alleine in der Schiene. Ein Bremser ist dann fürs Tempo zuständig.

Wann immer es die Strecken hergaben, nahmen wir die Cable-Car und genossen die Aussicht.

Es gibt drei Linien, von denen zwei die Waterfront ansteuern und eine als Querverbindung dient. Eine Station gab es am steilsten Anstieg vor unserem Hotel, wobei die Bahn dann immer mitten auf der Kreuzung stehen blieb wo es relativ eben war, weil alles andere nicht funktioniert.

Mit Ächzen schaffte es das durchlaufende Kabel, die Bahn auf die abschließenden und steilen Hügel kurz vor der Waterfront zu ziehen, ehe sie unangekabelt in rauschendem Tempo bei überwältigender Aussicht auf die Waterfront losdüste, wo sie an der Endhaltestelle wieder vom Bremser und Kabelmeister per Körperkraft umgedreht wurde.

Die Waterfront bot allerlei Amerikanisches von Fastfood bis Klimbim, aber auch eine riesige Seehundsiedlung. Hundertfach schallte das Grunzen und Brüllen der Tiere durch die gemütlichen Hafen-Gassen. Eine glänzende Einstimmung auf spätere Galapagos-Begegnungen und eine köstliche Unterhaltung, wenn wieder mal ein Seehund über die anderen glitschte und es ein ohrenbetäubendes Quaken nach sich führte.

Wir betrachteten stundenlang dieses maritime Treiben, ehe uns die Cable-Car-Bahn von der Waterfornt durch Chinatown bis ins Hotel brachte und keine Zweifel mehr offen ließ, dass San Francisco die schönste Stadt der Vereinigten Staaten sein würde.
Cable Car (ein Kabel läuft in den Schienen und zieht die Bahn die Berge hoch)

So macht man es richtig: Lässig aus der Bahn hängen


So ist aber auch ok!

so sowieso

Die steilste Straße in San Francisco.
Viele kommen mit dem Auto um sie selbst zu fahren (haben wir dann auch gemacht)

5 Meilen sind erlaubt

Das letzte Stück runter zur Waterfront fällt steil ab

Attraktion Steigung

Attraktion Schoko-Bär (rechts)
(und links auch)

Wendeplattform

Und kulturelles Warteprogramm (coole Stepp-Vorführung)

Cable Car wird mit Körperkraft um 180 Grad gedreht

Was jedesmal bestaunt wird


fertig



Drehscheibe zum Nachbauen
 
wunderschön


Wartende Seehunde

noch freie Liegeplätze


Streit

Ignoranz

Verachtung

Sonntag, 20. November 2011

China liegt in San Francisco

In diesem Moment sind wir nicht in San Francisco. Wir sind in Shanghai oder vielleicht auch in Hongkong jedenfalls nicht in den USA. 80 000 Chinesen leben hier. Eine der größten asiatischen Gemeinden außerhalb Asiens. Enten hängen von der Decke und weder die Gewürze noch die Obstsorten erinnern an irgendetwas was ich in meinem Leben schon einmal gerochen oder gesehen habe. Chinatowns gibt es weltweit, wie mir mal wieder Wikipedia verriet, auch in Europa (in Amsterdam zum Beispiel). In Deutschland gab es sie: Auf St. Pauli, ehe die Bewohner im dritten Reich deportiert wurden. In New York ist die größte Chinatown der Welt angesiedelt. 150 000 Chinesen leben dort legal, die wahre Einwohnerzahl unbekannt. Eine Stadt in der Stadt. In San Francisco reisten im Zuge des Goldrausches schon 1848 die ersten Migranten ein und gründeten ihre Chinatown. Die erste der USA. Sie umfasst 24 Wohnblöcke und hatte ihr eigenes gesellschaftliches Leben. Wir streifen durch die quirligen Straßen, genießen herrliche Asia-Food und stöbern in den Ramschläden zwischen blinkenden Plastikvögeln und Winkekatzen. Ein touristisches Paradies. Für die Einwohner auch? In Chinatown gelten andere Gesetze des sozialen Miteinanders, die Bewohner leben zum Teil in winzigen Wohnungen mit riesigen Familien. Die „Städte“ entstanden aus der Folge sozialer Abgrenzung zu Migranten und ich bin gerade gar nicht mehr so sicher wie gut ich solche ethnischen Viertel finden soll. Ich habe gelesen auch in Berlin und in Hamburg soll ein Chinatown entstehen. Ist das der Tod des Integrationsgedankens oder ein neuer Ansatz?







24 Wohnblöcke umfasst Chinatown San Francisco

Herrliche Fasadenverzierungen



Gemüsemärkte


Fisch, Fleisch und Gemüse

Aller Art


Zunge

Enten

Ist es die Seele von Golden Gate...?

Der Nebel lichtet sich und sie liegt vor uns. Sicher gibt es Brücken, die größer sind oder vielleicht schöner, aber irgendetwas berührt mich hier.  In diesem Moment bin ich sicher, dass auch Bauwerke eine Seele haben können. Vielleicht wird die ihnen von den Menschen gegeben, die zu Millionen die besonderen Bauwerke bereisen. Oder sind es die Geschichten die sich darum ranken? Sind es die Fotos, die um die Welt gehen von Urlaubsbildervorträgen weltweit? Oder sind es einfach nur die Erlebnisse, die Menschen von diesen Bauwerken in ihren Herzen mitnehmen?
Ich weiß es nicht. Aber wir stehen vor der Golden Gate Bridge und die berührt. Irgendwie hämmert sich Udo Jürgens Hit „Ich war noch niemals in New York“ ins Hirn: „...durch San Francisco, in zerrissenen Jeans“. Glück durchströmt mich bei den ersten Schritten auf dieser 1937 erbauten Hängebrücke. Ein paar Kilometer weiter gibt es noch eine Brücke. Aber alle sind hier. Genau wie sie am Eifelturm, der Freiheitsstatue und dem Schiefen Turm von Pisa stehen und nicht an all den unbekannten Türmen und Statuen, die unsere Welt zweifelsohne noch zu bieten hat. Warum? Weil diese Bauwerke Symbole sind. Golden Gate steht für Freiheit, für Aufbruch, für Amerika, für Lebensart.
Und das spürt man. Wir wandern bis zur Mitte und schauen auf San Francisco. Wir sind frei, wir sind in Amerika. Dieser Moment ist perfekt. Für mich, für meine Eltern, für alle anderen Menschen, die gerade die Golden Gate Bridge erklimmen.
Und auch die Brücke, da bin ich sicher, hat in diesem Moment ein weiteres kleines bisschen Seele dazugewonnen.
Der Nebel verschwunden und dann liegt sie vor uns. Golden Gate Bridge.



Blick auf San Francisco und die berüchtigte Gefängnisinsel Alcatraz (the rock)





Im Grant Hotel San Francisco

Ich mag billige Hotels. Es ist immer alles so schön unkompliziert. In San Francisco sind wir im Grant Plaza untergekommen. Kein Schreibfehler, das Grant Hotel liegt in der Grant Avenue und erhielt dadurch seinen Namen und ist auch in Aussehen und Ausstattung nicht im Entferntesten mit dem Grand Plaza zu verwechseln.
Ich berichtete im letzten Blogeintrag von unseren Familienzimmern auf Fahrradtour und so fällt mir die Antwort auf die Frage des Portiers im alten Hotel in Chinatown leicht. Mein Zimmer kann gerne in der Nähe meiner Eltern liegen. Wir stutzen, als wir im fünften Stock in unterschiedliche Richtungen zu den Zimmern 506 und 534 aufbrechen. Nun denn, egal. Mein Zimmer ist einfach aber sauber. So wie ich es mag. Ich brauche ein Bett und gerne auch ein eigenes Badezimmer. Größe und Ausstattung des Zimmers sind mir nicht wichtig. Ein Fernseher überflüssig. In einer Ecke steht ein Schrank schräg an der Wand. Ich ruckele ihn zurecht, da fällt mein Blick auf eine Tür, die hinter ihm zum Vorschein kommt. Meine detektivische Ader (kennen viele meiner Schüler, die Teil eines „Verbrechens“ an der Fraenkelstraße wurden, nur zu gut) wird geweckt. Ich schiebe den Schrank quer ins Zimmer. Hoffentlich kommt jetzt kein Zimmerservice ins Zimmer während dieser Umräumarbeiten. Aber auch das ist an billigen Hotels prima, man kann eigentlich machen was man möchte, der Zimmerservice kommt sowieso nicht. Die Tür ist unverschlossen und dahinter eine weitere Tür. Auch die kann man öffnen, man braucht nur etwas Kraft. Ich schiebe und schwitze. Dann ist sie offen. Ich blicke in die überraschten Gesichter meiner Eltern. Ihr Zimmerschreibtisch von der geöffneten Tür in die Zimmermitte geschoben, stehe ich mitten in ihrem Zimmer. Der Portier hatte doch Recht: Unsere Zimmer liegen tatsächlich sehr nah beieinander. Wir lassen die Tür offen und haben unser Familienzimmer der Jugendherbergstouren von früher. Voll schön. Mitten in Chinatown San Francisco.


Das GRANT-Hotel


Das Hotel ist direkt am Eingang von Chinatown gelegn


 

Welcome in California!

Und dann war mein Familienbesuch auf Long Island auch schon wieder vorbei. Viel zu kurz und dennoch die richtige Entscheidung den dreitägigen Trip zwischen Toronto und San Francisco zu schieben. Es waren schöne Familientage mit ganz wunderbaren Menschen.
Morgens in aller Frühe brachte mich mein Cousin Eric zum JFK-Airport und sechs Stunden später stand ich auf der anderen Seite des Kontinents und nahm überglücklich meine Eltern in San Francisco in den Arm.

Vor drei Jahren hatten Dana und ich die beiden schon einmal überredet mit uns nach New York zu reisen. Das war damals die erste Reise außerhalb Europas und ich sehe meine Eltern noch heute die ersten Schritte durch Manhattan laufen, staunend auf die Wolkenkratzer schauend. Das war eine sehr besondere Woche und ich hatte lange Zweifel, dass ich sie noch einmal zu einem derartigen Trip bewegen können würde. Aber alle Zweifel zum Trotz hatten sie sich irgendwann breitschlagen lassen „so eine Aufregung“ noch einmal einzugehen und hatten einen Flug gebucht.

Ich hoffte so sehr, dass diese Reise an unser gemeinsames New York Abenteuer anknüpfen würde. Auch wenn natürlich Dana fehlte, die tollste Schwester überhaupt, die sich natürlich um Klein-Pepe kümmern musste und die ich nun schon seit vier Monaten unfassbar doll vermisste.

Im Grunde sind meine Eltern Abenteurer und unsere gemeinsamen Reisen echte Erlebnisse. Viele Fahrradtouren waren darunter. Wir durchquerten Dänemark, die Bretagne, Deutschland und Ungarn mit unseren Drahteseln und fanden Unterkunft in Jugendherbergen. Seitdem liebe ich Jugendherbergen. Wir hatten fast immer ein sogenanntes Familienzimmer, wo wir zu viert im Doppelstockbetten in einem eigenen Jugendherbergsraum unterkamen. Da spielten wir dann abends Karten oder erzählten Geschichten und gingen immer gemeinsam schlafen.
Und Familienzimmer ist auch genau die richtige Bezeichnung, denn was auch immer in meinem Leben passierte, wusste ich, dass der Zusammenhalt nicht nur auf das gemeinsame Urlaubszimmer beschränkt war. Wann immer Prominente im Fernsehen von ihrer schweren Kindheit berichten, kann ich nur bedauernd den Kopf schütteln. Meine Kindheit war rosarot und leuchtend. Bis heute fällt mir darum z.B. das Streiten schwer, weil das eigentlich fast nie vorkam und allerspätestens vorm abendlichen Einschlafen man sich versöhnt haben musste.

Es tut gut solche Eltern zu haben und gibt Kraft mutig zu sein, weil man weiß, dass sie auch dann da sind, wenn mal alles schief laufen sollte.
Das habe ich sehr genossen und bis heute fahren wir immer mal wieder alle zusammen in den Urlaub. Eigentlich haben wir dann immer unsere eigenen Zimmer und wer hätte gedacht, dass es just in Kalifornien zum Zimmer-Comeback kommen würde (aber darüber später mehr)

Kalifornien stand viele Jahre für die beeindruckenste Reise , die ich je unternommen hatte. Mit Ingo und Isi war ich im Jahr 2000 für drei Wochen hier gewesen. Alles war größer, alles war höher, alles war gewaltiger und es gab von allem mehr als irgendwo anders auf der Welt.

Ich war zurückgekommen um nachzuschauen, ob die Faszination auch gut zehn Jahre und viele Reisen später, selbst als Etappe einer Weltreise, noch spürbar war und ob meine Eltern ähnlich überwältigt sein würden. Um es vorweg zu nehmen. Auch dieses mal zog mich die Westküste der USA komplett in ihren Bann und machte auch vor meinen Eltern nicht halt.


Eine Familie in New York ( 2008)
 
Was für ausgelassene Tage



In Big Apple (2008)


2011 - Glückliches Wiedersehen in San Francisco
nach vier getrennten Monaten
nur die tollste aller Schwestern ist nicht dabei!