Samstag, 19. November 2011

Süßes oder Saures?

Eigentlich finde ich Halloween behämmert. Aber ich komme auch aus Hamburg und frage mich ebenso Jahr für Jahr welche Erbgutdeformation zum Karneval in Köln bei den Menschen ausbricht. Verkleiden finde ich ok. Mottopartys zwar meistens anstrengend aber ich habe auch schon an welchen teilgenommen und das war lustig. Das Geheimnis ist irgendwie, dass das alles von Außen merkwürdig aussieht, wenn man aber mittendrin steckt, man das gar nicht mehr merkt.
Und nun steckte ich im Halloween – und zwar so richtig tief drin. Was reist man auch Im November in die USA, den Mutterland des Horrors?
Was blieb? Ich machte mit und nahm so viel Halloween mit, wie es nur irgendwie ging. In Deutschland ist Halloween irgendwie ja ne Mischung aus organisierter Kinderkriminalität und Fasching. Zum Halloweentag laufen Kinderbanden durch die Städte und Brandschatzen für möglichst Tonnen von Süßigkeiten. Da viele Menschen, besonders die Älteren den Halloweenbrauch nicht kennen, ereignen sich echte Dramen an den Haustüren, die später bei "Aktenzeichen XY - ungelöst" aufgearbeitet werden müssen.
Vielleicht sollte man einfach mal an alle Rentner ein Schreiben versenden, dass Halloween nichts anderes ist als die schöne alte nordisch-deutsche Tradition des „Rummelpott-Laufens“, was früher ganze Generationen am Silvesterabend gemacht haben. Dann gäbs vielleicht auch ein paar Süßigkeiten. Warum Halloween dem Rummelpott den Rang abgelaufen hat? Keine Ahnung.


Hier in den USA hat Halloween natürlich Tradition und nicht nur Rentner können sich mit riesigen Süßigkeitentüten aus dem Supermarkt extra für Halloween verpackt, freikaufen.
Aber Halloween ist noch mehr. Sämtliche Häuser sind mir Grusel-Accessoires verkleidet und damit meine ich nicht: ein Skelett irgendwo, sondern ganze Tonnen von Skeletten, Spinnweben, Spinnen, Hexen, Augen und vieles mehr, die in Vorgärten liegen und Fenster und Türen zieren, als gäbe es einen Geisterbahncontest in der Nachbarschaft.

Überall finden sich zu dieser Zeit Märkte rund um das wichtigste Gemüse dieser Tage: den Kürbis. Riesige Kürbisfelder liegen zum Abtransport bereit. Nebenbei sind diese Kürbismärkte aber auch gesellschaftliches Treffen und Volksfest. Maislabyrinthe, gegrillter Mais und Kürbisattraktionen flankieren die Herbstfeierlichkeiten. Und am Abend leuchtet aus jedem Haus die Halloween-Kürbis-Fratze. Dabei war ich erstaunt, dass die Kürbisinnereien nicht verzehrt werden, sondern direkt in die Tonne wandern. So viele sind es ehrlicher Weise auch nicht, weil es sich ganz offensichtlich um riesige Halloween-Zierkürbisse handelt.

So ungewohnt alles daherkommt, so heimisch fühlt man sich hier vor Ort damit. Es ist ein sehr spezielles Fest, das ganz besonders für die Kinder einen echten Jahreshöhepunkt darstellt.

Im Gegensatz zu den einheimischen Hunden, die ebenfalls am Halloweentag in Kostüme gesteckt werden und den Tag sicher nicht als Jahreshöhepunkt bezeichnen würden. Welcher Hund mag schon gerne als Ninja-Turtle rumlaufen?

Mir gefällt Halloween jetzt viel besser. Und nächstes Jahr im Herbst bin ich bereit. Dann habe ich auch eine große Tüte Süßigkeiten bei mir zuhause, die die klingelnden Gören aber erst dann bekommen, wenn sie sich einen langen Vortrag über Rummelpott von mir angehört haben.

So ist das Leben eben: Süßes gibt’s meist nur nachdem man Saures überstanden hat.


Vorgärtenverzierung




Innenverzierung - das Bild beginnt in Intervallen zu leuchten
und aus dem freudlichen Familienbild wird ein Horrorportrait.


weitere Vorgärten


ein wunderschöner Kürbismarkt


Familienfoto mit Hund (noch ohne Kostüm)





Neu Halloween-Fan


Und abends leuchtete ein wunderschöner
Halloweenkürbis, den ich leider vergaß, zu fotografieren

Der älteste Laden Amerikas

Jede Gegend hat ihre Höhepunkte und als meine Cousine Karin uns plötzlich erzählte, dass der älteste Einkaufsladen der USA in St. James auf Long Island zu besuchen sei, lachten wir sie alle aus. Aber hiermit sei Abbitte getan: Der älteste noch existierende Einkaufsladen der USA ist in St. James nicht weit von Smithtown auf Long Island. Ebenezer Smith eröffnete den „St James General-Store“ im Jahre 1857 und seitdem hat der Laden geöffnet. Er wechselte allerdings sein Angebot im Laufe der Zeit. So wurden dort wechselnd Küchengerätschaften, Arzneimittel, Pferdemedizin, Tabak und Gemüse verkauft. Auch war die Post in den Räumen vertreten und er erhielt besondere Bedeutung in der Umgebung. Als das erste Telefon der Umgebung in dem Laden angeschlossen wurde, wurde der Laden zum großen Treffpunkt der Landgemeinde.
Heute findet man im St. James General-Store von Büchern über Spielzeug bis hin zu Süßigkeiten alles was in einen so historischen Kontext passt. Und man erinnert sich an all die kleinen Läden, die es früher selbst vor zehn bis zwanzig Jahren noch gab. Die Tante Emma-Läden, die immer alles hatten – nur eben nicht so billig wie der neue Supermarkt um die Ecke. Hier haben wir uns selbst eine Kultur genommen und so langsam schließt auch der letzte Krämer um die Ecke.

Nun stand ich also im ältesten Laden der USA vor riesigen Bonbongläsern und erinnerte mich an den wichtigsten Einkaufsladen meiner Kindheit. Er war an der Ecke Hufnerstraße/ Brucknerstraße gelegen unter dem Schatten der Heilgen-Geist-Kirche, die mittlerweile ein Wohnhaus ist. Er lag also gegenüber von den Clubräumen unserer „Schachgemeinschaft SG“ und in direkter Nachbarschaft zum Gymnasium Uhlenhorst-Barmbek. Er hieß bei uns immer nur wie seine jeweiligen Besitzer „Käthe Hintz“ und danach lange Jahre „Salewski“ oder wie wir immer sagten: „Kommst du mit zu Salle?“. Es gab dort Brausetaler für einen Pfennig, später noch für zwei Cent. Ich holte mir immer eine kleine Tüte mit Salmiakkugeln, Salinos, Salmiakmonde und saure Taler. Meist für eine Mark oder einen Euro. Hundertschaften von Kindern haben dort illegaler Weise ihr Geld gelassen, denn natürlich durfte man in den Pausen dort nicht hin (jaja Versicherungsschutz!).
Das waren wundervolle Minuten bevor man selbst an der Reihe war und aus den Plastikboxen sein „Tütchen“ zusammenstellen konnte. Der „Eckmann“ schloss fast gemeinsam mit Schule, Kirche und Schachclub. Wer sollte dort auch kaufen? Und während ich über all das nachsinne, bin ich an der Reihe im St. James General Store und ich darf mir auch hier mein „Tütchen“ zusammenstellen. Welch ein Gefühl von Kindheit hier am anderen Ende der Welt. Mein Herz hüpft und ich denke: „Gott schütze den St. James General Store!“








Die Freiheit unserer Kinder – Ein Beispiel aus den USA - ein Plädoyer für Deutschland

„Und dann müssen wir pünktlich Maja und Dana vom Schulbus abholen“. In meinen Gedanken erschien eine große Hauptverkehrsstraße und eine freundliche Überraschung heute die Beiden (9+10 Jahre) mal vom Bus nach langer Busfahrt abzuholen.
Um 16 Uhr sollte der Bus kommen, also machten wir uns um 15.45 Uhr auf den Weg. Was heißt dabei auf den Weg? Wir gingen ca. 100 Meter und trafen dort auf alle anderen Eltern, die ihre Kinder abholen wollten. Mitten in einer Einzelhaussiedlung auf Long Island, wo es große Vorgärten gibt und kaum ein Auto die Straße kreuzt. Und: fast in Sichtkontakt zum Haus der beiden „Abzuholenden“. Ich war verwirrt und fragte vorsichtig, ob die Beiden denn diese Strecke nicht alleine bewerkstelligen könnten. Eine Gefahr würde da ja irgendwie nicht drohen. Entgeistert wurde ich von meiner Tante angeschaut, die ihre Kindheit ja immerhin in Hamburg Barmbek verbracht hatte und die Fraenkelstraße besuchte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie dort jemals abgeholt wurde. „Björn, die Welt ist gefährlich geworden. Wir holen alle Kinder ab. Jeden Tag. Eigentlich bis sie 21 sind. Wer sein Kind nicht abholt, gilt als schlechte Familie. Schau sogar die Familien, die direkt an der Busstation wohnen, kommen aus ihrem Haus. Eltern legen ihre Mittagspausen so, dass sie ihre Kinder abholen können.“
Die ganze Absurdität wurde mir später noch drastischer vor Augen geführt, als zwei Tage später, der Bus eine Stunde Verspätung hatte. Maja stieg schimpfend aus dem Bus und berichtete, dass sie eigentlich alleine von der Schule nach hause gehen wollte, aber unter Strafe abgehalten wurde. Da erst dämmerte es mir, dass es gar nicht so weit weg sein konnte zur Schule. Wir fuhren am Nachmittag zur Spielplatzeröffnung in die Schule und brauchten sieben Minuten mit dem Auto. Aber in den USA fahren alle Kinder mit dem Schulbus. Ganz egal wie weit weg die Schule ist.

Man könnte es lächelnd mt "typisch USA" abtun, aber wir brauchen gar nicht so weit gucken, denn die Zeiten in denen Schulkinder in Hamburg als Tageshöhepunkt über ihren Schulweg berichteten ist auch lange vorbei. Wenn ich den Autokorso vor unserer Nachbargrundschule Genslerstraße jeden Morgen sehe, wird mir Angst und Bange. Und ich erinnere mich an den Bericht meiner Studienfreundin Nicole, die ihre Tochter als einziges Kind der Klasse Tag für Tag zu Fuß in die Schule schickt und ständig dafür wirbt, dass andere mitgehen. „Aber doch nicht bei Regen“ hört sie da häufiger.

Es soll keineswegs ein Aufruf zur Vernachlässigung seiner Kinder sein, ganz im Gegenteil. Aber: Wir überhüten uns! Jedenfalls, der Teil von Eltern, der sich doch eigentlich um seine Kinder kümmern möchte.

Es folgt ein Plädoyer für Freiheit und nicht für Vernachlässigung.

Es ist gut, dass wir uns um die Sicherheit unserer Kinder sorgen, aber sind nicht nur freie Kinder, starke Kinder? Es macht doch fassungslos, dass der Bau eines Baumhauses auf einem deutschen Schulhof vier Jahre dauert. Während ich am anderen Ende der Welt bin, kämpft der grandiose Geschäftsführer der Baugenossenschaft der Buchdrucker Herr Seeger um dieses Projekt. Man braucht Architekten und eine Baugenossenschaft um heutzutage die Anforderungen von zweitem Rettungsweg, Fallsand, Gitterzwischenräumen und Fallhöhen für ein Baumhaus zu erfüllen. Früher haben wir mit Brettern eins auf unserem Schulhof selbst gebaut. Da kletterte man aber auch noch auf Bäume und es war noch nicht verboten. Unsere Eltern haben noch in Ruinen gespielt und da konnte einem ganz schön was auf den Kopf fallen. Heute nicht mehr, denn freie Spielflächen geschweige denn Ruinen gibt’s nicht mehr und wenn doch, ist die Nutzung nicht legal, wie mein Schwager Ruben in seiner wunderbaren Examensarbeit über Freiflächen in Barmbek ausmachte (es gibt nicht ein paar ziemlich Tolle!)

Das soll auch kein „früher war alles besser“ werden, aber vielleicht inspiriert durch die Erlebnisse auf einem anderen Kontinent, auch für uns einmal Zeit zum Nachdenken geben. Waren freie Flächen, freie Stunden, überbordende Fantasie im Abenteuerspiel nicht der Grundstein unseres Seins heute?

Ich war froh manche Tage um 11.00 Uhr Schulschluss zu haben (und damals gab es sogar noch echtes Hitzefrei) und bis zur Dämmerung auf den Höfen der Diesterwegstraße und Drögestraße zwischen den Hauptverkehrsadern Fuhle und Hufnerstraße rumzubutschern.

Heute gibt es Ganztagsschulen (zum Glück), Kitas bis abends, sichere Spielplätze (wirklich sicher!) und kaum einen Moment wo Kinder einfach nur „sein“ können. Klavierunterricht, Sportverein und Bastelkurse – all das ist wichtig und hat seine Berechtigung. Aber unsere Kinder haben das Spielen verlernt und das Klettern und das Verantwortungsübernehmen für sich selbst. Und wir sind Schuld, denn wir verbieten die Rolle rückwärts im Sportunterricht, weil sich da so viele Kinder verletzt haben.

Ich hasste die Rolle rückwärts und bestimmt hab ich mir bei den Versuchen abzurollen so manchen Schmerz eingefangen, aber ich kann sie, bis heute. Ich kletterte in die Bodenschlange auf dem Stadtparkspielplatz, in die immer nur ein Kind pro Richtung passte. Krabbelte rückwärts wenn der andere stärker war und wunderte mich über Kinder, die stecken blieben. Einmal kam dann sogar die Feuerwehr. Heute würde der Spielplatz mit solch einem Spielgerät geschlossen. Gut so!

Auf unseren Jugendreisen fragen wir am Ende nach der „Aktion der Reise“ und immerzu steht da „Drop Out“ vorne. Diese Nachtwanderung bei der wir Gruppen mit ihren Leitern mitten in der Nacht im Wald aussetzen und sie nach hause finden müssen. Es ranken sich unendliche Geschichten um Drop Out und es prägte eine ganze Generation von Schach-Jugendleitern, dass sie in irgendeinem Wald vom Harz bis Schweden verschollen waren. Ich warte auf den Tag an dem etwas im dunklen Wald passiert (was ja immer mal passieren kann) und ich höre schon die Schreie: Wie kann man mit Jugendlichen nachts durch den Wald laufen?

Darauf gibt es nur eine Antwort: Man kann nicht, man muss!

Man muss unsere Kinder ermutigen und das bisschen Freiheit was unsere Welt noch bietet auszutesten. Und es ist tatsächlich tragisch wenn irgendwo ein Kind in Deutschland vom Baum fällt und sich schwer verletzt. Aber noch viel tragischer ist es, wenn gar kein Kind mehr auf Bäume klettert. Die Folgen davon sind unermesslich.

Kinder müssen allein zur Schule gehen können (wenn es irgendwie möglich ist). Und das meint: in Gruppen mit den Mitschülern und ohne Eltern. Sie müssen Schmetterlinge entdecken und Steinplatten zählen. Sie müssen vor „komischen Männern“ weglaufen und ihre Angst schulen, wie wir es sooft gemacht haben, als es den Obdachlosen „Tarzan“ am Osterbekkanal noch gab. Denn durch all diese Erfahrungen werden sie stark, können Situationen einschätzen und Urteile fällen.

Es ist eine furchtbare Welt von Maskenmördern und unsäglichem Verkehrsaufkommen. Tatsächlich kann immerzu und überall etwas passieren. Aber wir können unsere Kinder nicht beschatten und ein Leben lang sichern. Wir müssen unserer Welt vertrauen, sonst stehen wir alle bald an Schulbussen 100 Meter vor unserem Haus.

Wir müssen uns kümmern, immerzu, es ist unsere oberste Aufgabe Kinder zu schützen. Und die Vernachlässigung, die viele Kinder erfahren, macht wütend. Aber darum geht es hier nicht. Es ist ein schmaler Grat zwischen Freiheit und Sicherheit. Aber lasst uns ihn wenigstens immer neu Bedenken. Das ist zwar anstrengend, aber es lohnt.

Lasst Kinder alleine zur Schule gehen.
Klettert auf Bäume.
Gebt Freiflächen den Kindern zurück.
Hört genau zu.
Seid für Kinder da.
Schlaft unterm Sternenhimmel.
Verplant nicht alle Freizeiten
Macht Lagerfeuer.
Seid stark und frei.
Genießt das Leben.
Vertraut.
Spielt Drop Out.

Und letztendlich: Feiert mit uns unser Baumhaus (sobald es denn wirklich irgendwann steht)!


LebensArt in der Fraenkelstraße

Barmbek verreist - natürlich mit Drop Out!

Das Klettern war verboten.
 "Das verantworten sie aber, wenn jemand runterfällt..."

Apfelmus vom Feuer - Gibt es was Besseres?

einfach draußen sein

auf Bäume klettern

sich Kloppen (zum Beispiel auf meiner Geburstagsferienreise mit 40 Freunden)


Zuhause in den USA

Mich hatte es wirklich gewurmt. Meine Tante Erika (aus Amerika) hatte nach vielen Jahren mal wieder eine Tour nach Deutschland unternommen. Und dazu mit meiner Kusine Karin und ihren Kindern Maja und Dana. Karin versuche ich seit Jahren von dieser Tour zu überzeugen und von daher ärgerte es mich natürlich ein bisschen, dass sie ausgerechnet im September in meine Stadt kamen, während ich in der Weltgeschichte rumturnte. Also quetschte ich meinen Zeitplan und schob zwischen Toronto und San Francisco noch einen dreieinhalbtägigen Kurzaufenthalt auf Long Island vor den Toren von New York ein, wo ich wie immer in den letzten Jahren mit offenen Armen empfangen wurde. Ähnlich wie Limulunga in Sambia ist Long Island in den USA meine Reiseheimat bei Reisen über den großen Teich. Zum fünften Male machte ich mich nun auf den Weg in den amerikanischen Osten und erstmals hatte ich überhaupt kein Interesse meiner absoluten Lieblingsstadt New York einen Besuch abzustatten. Was sind schon Empire State Building und Times Square gegen einen gut gepflegten Barmbeker Dialekt und heimatliche Momente in der Ferne? Also blieb ich auf Long Island und erlebte wirklich amerikanischen Alltag.

Meine Tante Erika mit Maja
beim Verrückten Labyrinth (was ich mitgebracht habe)

Dana mit meinem Cousin Eric (der gewann!)

Mein Cousin Eric, Rose (seiner Frau), Dana, Maja und meine Cousine Karin

Erika, Dana, Maja und mein Igel
(das Maskottchen für diese Weltreise von meinen Patenkinder)

Freitag, 18. November 2011

Danke!

Nur ein kurzer Zwischenruf: Gestern klickte es zum 10 000 Mal auf meiner Blog-Seite... Ich danke allen, die mit mir zusammen meine Reise erleben und freue mich über die vielen lieben Worte zu meinem Blog und über nette Mails/Facebook-Kommentare. Manches Heimweh konnte nur durch Euch umschifft werden und manches Fernweh vielleicht auch durch den Blog geweckt werden. Jedenfalls geben 10 000  Klicks mir Ansporn zwischen dem Erlebtem weiter zu schreiben. Egal wo ich auch bin...

Live aus Quito



Sambia

Namibia

Südafrika

und vielen Flughäfen (mit Steckdosen und Wlan)
hier: Miami


Abschied – mal wieder!

Der große Nachteil von vielen Besuchen auf meiner Reise, ist der Tag des Abschiednehmens, der ebenso sicher kommt wie all die Tage der Vorfreude und der Begrüßung. Wie schlimm so etwas ist, wird jeder aus eigener Anschauung bereits wissen.
Aber nicht nur von Besuchern musste ich Abschied nehmen, sondern auch von Menschen, die man während des Reisens kennenlernte Und letztendlich auch von Ländern: Dieses Mal nach einem großartigen Monat von Kanada.
Bei all der furchtbaren Momente an diesem Abschiedstag, tröstete mich allerdings Dreierlei: Zum einen reiste ich zehn Minuten später nach New York wo mich mein Cousin mitten in der Nacht in Newark abholte und mir drei schöne Familientage auf Long Island bevorstanden. Und zum anderen stand der nächste Besuch schon in den Startlöchern. Sandra würde daheim fliegend den Staffelstab an meine Eltern weiterreichen, die pünktlich zum Geburtstag meines Vaters in San Francisco landen sollten, von wo wir eine knapp dreiwöchige Kalifornienrundreise starten würden.
Und zu guter Letzt stand meine letzte Etappe dieser ersten Halbzeit bevor, so waren es nur 51 Tage, die es bis zum Wiedersehen in Hamburg dauern würde und damit drei Tage weniger als beim letzten Mal. Und das hatten wir irgendwie auch geschafft!


Dummer Tag!


This is Niagara-Falls...

Es gibt vermutlich nicht viele Menschen, die innerhalb von drei Monaten zwei der bedeutendsten Wasserfälle der Welt zu Gesicht bekommen. Über die Victoriafälle zwischen Sambia und Zimbabwe berichtete ich an dieser Stelle voller Berührtheit und Glückseeligkeit. Ein schmaler Klippenweg hatte uns zum Sonnenuntergang dieser rauschenden Pracht geführt. Nun waren die wohl meistbesuchten Fälle der Welt der Abschluss unseres Kanada-Törns: Die Niagarafälle zwischen den USA und Kanada.
Um es vorweg zu nehmen: Wir waren schockiert und konnten erst zwei Tage später bei einer Bootstour an den unteren Rand der Fälle noch Frieden mit diesem Naturschauspiel schließen, das so gar nichts mehr mit Natur zu tun haben schien.
Es sind wunderbare Wasserfälle, dich sich gradlinig (die US-Fälle) und in Form eines Hufeisens (in Kanada) mit ungeheuren Wassermassen in die Tiefe stürzen. Deswegen werden sie auch angeleuchtet, wenn man abends endlich mal ungestört auf der acht Meter breiten vollasphaltierten Promenade entlangspaziert, um sie abseits des Hafengeburtstagsandrangs des Tages betrachten zu können. Angeleuchtet ist dabei ein schwaches Wort. Richtiger wäre: Vollständig Verstrahlt und zwar mit den stärksten Scheinwerfern, die ich je gesehen habe und zwar in blau, rot, lila, gelb und grün. Und zu allem Überfluss auch noch im ständigen Farbwechsel.
Rund um die Niagarafälle wurden auf beiden Seiten Hotels gebaut, die möglichst hoch in den Himmel ragen, um den Gästen den besten Ausblick zu ermöglichen. Dazu noch Riesenräder, Spielcasinos, Freizeitparks und alles was ein Mensch sonst noch so braucht, wenn ihm ein grandioses Naturschauspiel nicht ausreicht.
Das nervt und ist dennoch irgendwie erklärbar. USA und Kanada sind natürlich weder Sambia noch Zimbabwe. Es sind viel mehr Touristen zu versorgen und ein schmaler Klippenweg würde zu schweren Unglücken führen. Die Niagarafälle ernähren eine ganze Region und das nicht in Dritte Welt-Ländern sondern in harten Industrienationen. Natürlich wird alles mögliche getan auch den letzten Dollar aus den Besuchern zu saugen. Sanfter Tourismus/ Ökotourismus sieht anders aus.

Hat man sich damit abgefunden, kann man Niagara genießen. Wir brauchten drei Tage. In einem Schiff mit Menschen aus allen Kontinenten machten wir uns auf dem Weg zum unteren Rand der Fälle. Alle steckten in blauen Müllsäcken. Das war derart absurd, dass ich nur noch die Menschen fotografierte und filmte und die Fälle zweitrangig wurden. Lieblingsmotiv: Wie sich Asiaten mit Amerikanern und Europäern um die besten Fotoplätze balgten, während wir allesamt wie Schlumpfhausen bei ALDI aussahen. Und zu guter Letzt, als Höhepunkt der kleinen Bootstour, verkündete der Lautsprecher auch noch, als die Spritzer fast zum Schwall geworden waren und das Rauschen glücklicherweise das meiste der Ansage verschluckte: This is niagara-falls. Ach nee!
Aber irgendwie in dieser Mischung aus Lautsprecherdurchsage, Schlumpfhausenkostüm und Foto-Überlebenskampf machte es bei mir Klick. Ich schaute auf die Niagarafällen und plötzlich waren sie in mir. Alles um mich herum verschwamm ins Unwichtige und ich hatte den Weg in diese Welt gefunden. Ich sah die glücklichen Gesichter all dieser Menschen, ich klappte die Müllsackkapuze zurück und nahm Sandra in den Arm. Das Wasser lief uns über die Stirn und spülte meine Kritik hinfort. Wusch alles pseudo-weltmännische hinfort. Wer war ich denn eigentlich? („Die Victoriafälle in Afrika sind aber viel beeindruckender“). Man hat kein Alleinrecht auf Naturwunder. Sie alle waren gekommen um die Fälle zu sehen. Und hier waren sie: This is niagara-falls.
Abends buchten wir uns ins Restaurant am Sky-Tower und nutzten den höchsten Turm der Umgebung um in einem drehenden Restaurant alle 60 Minuten direkt auf die Fälle gucken zu können. Das war ganz wunderbar.

Der Sky-Tower leuchtet die Fälle abends übrigens sehr hübsch in verschiedenen Farben an.

Die kanadischen Fälle in Hufeisenform


schön bunt!

Skytower am Rande der Fälle

Maid of the Mist ;-)

Die amerikanischen Fälle (und viele hohe Häuser im Hintergrund)

Absperrung für Fotos...

Aber Regenbogen wie in Afrika


Blaue Müllsäcke

Der Kampf um die besten Plätze
 
Schlumpfhausen bei ALDI

Und alles ist gut in Schlumpfhausen


Von unten direkt an die Fälle


amerikanische Fälle

und direkt aus dem Skytower

ein wunderbares Essen mit fantastischem Blick

und die kanadischen Fälle aus dem Restaurant
wenn schon, denn schon...
Fotopaket im Skytower. Das ist Amerika!